Das Verhör des Mörders.
Das Verbiet:
Reden des Staatsanwalts, der Vertheidiger und des Richters. Benehmen des Nlörders wahrend des Verhörs. Furchtbare Aufregung des Volkes.
Scerren in und um das GerichLsharrS rc.
Die große Tragödie, bei welcher Anton Probst die Hauptrolle spielte, nahm ihre Entwickelung ans außerordentlich regelmäßige und stufengerechte Weise, Kaum war die furchtbare Entdeckung gemacht worden, als auch schon der Arm der Gerechtigkeit den Missetbäter erfaßte. Die Art und Weise seiner Verfolgung haben wir bereits mitgetheilt; desgleichen sein Verhör und sein theilweises Geständ- niß vor dem Mayor, die Untersuchung vor der Coroncr's Jury u. s. w. Nachstehend geben wir nun einen getreuen Bericht von dem, was sich bis auf den gegenwärtigen Augenblick in dieser furchtbaren Angelegenheit zugetragen hat.
Gegen Mittag am Mittwoch, den 18. April, wurde Probst in dm Saal des Criminalgerichts der Stadt Philadelphia gebracht. Die Sache war vollständig geheim gehalten worden, und außer den Gerichtsbeamtcn wußte kein Mensch, daß das gerichtliche Verfahren gegen ihn schon an.diesem Tage beginnen sollte. Kaum aber hatte er den Saal betreten, als die Kunde davon augenblicklich wie ein Lauffeuer durch die Stadt flog, und ehe eine halbe Stunde verging, war das Zimmer zum Erdrücken voll, während Tausende sich rings um daS Gebäude versammelten, zu den Fenstern cmporkleiterten und sich schoben und drängten, um einen Anblick des achtfachen Mörders zu erhaschen.
Nach den üblichen Ceremonien wurde Probst vom Oberrichter Allison gefragt, ob er einen Vcrthci- diger habe. Die Frage wurde ihm durch den osfizicUcn Dolmetscher des Gerichts, Mr. Eben, vorgelegt, und er verneinte dieselbe.
Richter Allison fing ihn nun, ob er wünsche, daß ihm das Gericht einen Vertheidiger bestelle, worauf er durch den Dolmetscher antwortete:
„Nein, ich wünsche keinen Anwalt — ich will gar keine Dcrtheidigung haben."
Richter Allison sagte darauf, das gehe nicht an; er müsse einen Vertheidiger haben. Die Herren John P. O'Neill und John A. Woldert wurden ihm dann vom Gericht als Ncchtsbeiständc zuge- wiesen.
Der Staatsanwalt, William B. Mann, erhob sich nun und beantragte, daß der Gefangene förmlich in Anklagezustand versetzt würde, damit er sich für „schuldig" oder „nicht schuldig" erklären könne. Die Vertheidiger baten das Gericht, einen Aufschub zu gewähren, damit sie im Stande wären, sich gehörig vorzubereiten. Nach reiflicher Erwägung gab der Oberrichter die Entscheidung ab, daß er den Anfang dcS Mordprozesses auf Mittwoch, den 25. April, festsetzen wollte; demungc- achtet aber müßten die Anklageakten verlesen werden, wobei es dem Gefangenen freistehe, eine Antwort zu geben oder zu schweigen.
Der Clerk des Gerichtshofs sagte nun mit feierlicher Stimme:
„Anton Probst, stehen Sie auf und halten Sie die rechte Hand empor."
Ter Gefangene gehorchte und alle Anwesenden hefteten ihre Blicke aus ihn. AIS er die rechte Hand emporhielt, zeigte es sich deutlich, daß der Daumen fehlte.
Der Clerk verlas nun die erste Anklageakte, die Probst der Ermordung des Christopher Decring Beschuldigte, und endete mit der Frage: „Sind Sie schuldig oder nicht schuldig V
Herr O'Neill bedeutete dem Gefangenen, zu schweigen, und antwortete für ihn:
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