in den Willen einer höheren Macht und Liebe, deren sich auch auf dem Gipfel des irdischen Glücks die gläubige Christenseele bewußt bleibt, ergriff mit süßer Wehmuth jedes gefühlvolle Herz. Und als in leiser Ahnung des Liedes letzter Vers von den Lippen zitterte: „Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden!" — da suchten sich Heinrich's und Elisabeths feuchte Blicke. Und als sie sich gesunden hatten, zuckte ein lichter Strahl durch die gesenkten Wimpern, gleich als ob sie zu einander sagen wollten: Mag auch die Herrlichkeit des Lebens schwinden, — „es bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, aber die Liebe ist die größeste unter ihnen."
Der schönste Augenblick war gekommen. Schüchtern und doch freudig tönte das verhängnißvolle „Ja" aus Herz und Mund. In schlichter Weise sprach über die Liebenden Treulieb's Freund und Bruder, dem Amte und dem Herzen nach, die Weihe der Kirche und des Himmels Segen.
So war der Bund geschlossen, zu dem sich die treuen Seelen schon vor Jahren zusammengefunden, geschlossen für die Erde, für den Himmel. Mit leisem Händedruck schwuren sie sich noch einmal vor Gottes Angesicht, was sie oft in stillen Stunden sich gelobt. Die Sprache hatte keine Worte für ihr Glück.
Als die Neuvermählten heimgekehrt, empfingen sie der Freunde Wünsche und Gaben. Aus dem sinnigen Ernst der kirchlichen Feier entwickelte sich allmälig des Festes rauschende Lust. Jubel ringsum! Freudigem Blicke begegnete freudiger Blick. Kein Wölkchen schien den Himmel des schönen Tages zu trüben.
Treulieb war überglücklich. Durch lange Jahre hindurch hatte er seiner Elisabeth den Schwur gehalten, den er in jugendlicher Gefühlsseligkeit in ihre Hand und an ihr Herz gelegt. Sie entstammte einer hochangesehenen Familie, worin der arme Candidat als Hauslehrer wirkte. Da hatten sich die

