XXI,

Die abfallenden Blüthen.

In den Tagen des Frühlings, wo die Baume bereits anfingen, ihre Blüthenblättcr in's Gras zu streuen, wandelte Sophia in dem Obstgarten ihrer Aeltern einsam auf und ab. Die Gegend, mit fri­schem Grün über und über bekleidet; der heitere Abendhimmel; die fernen, von den letzten Strahlen der Sonne noch etwas gerötheten Bergfpitzcn; der Fluß, der in der Nabe vollwogend, vorbeiströmte; die Gesänge der Vögel in der Luft und in den Zwei­gen; das Abendgeläut aus benachbarten Dörfern; die heimkchrenden Menschen und Heerdcn alles, ja alles mußte Eindruck machen auf ihr gefühlvolles Herz: denn sie war nicht allein mit leiblicher Schön­heit begabt, sondern auch ihre Seele war fleckenlos und voller Liebreiz.