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Meder die Leidenschaften.

Gott ist des Menschen Ziel und Ende, und soll der Mensch Glück und Frieden auf dieser Erde finden, so muß Gott sein einziges Ziel seyn. Auch der Lei­denschaft schwebt ein Ziel vor: das Geschöpf. Daher » alle Stürme und Nöthen, welche unser Herz so schwer bedrängen, wenn wir die Leidenschaft in demselben herrschen lassen. Es liegt hierin eine Abweichung vom Sittengesetz, deren Folge nothwendig die Strafe seyn muß; denn fände der Mensch sein Glück in der Leidenschaft, so wäre Gott übersiüsstg. Scheinbar wird von der Leidenschaft diese ungeheure Leere aus­gefüllt, welche Gott in der Tiefe unsers Herzens läßt, um uns zu lehren, daß wir ohne "Zhn unvollständig sind; und aus demselben Grunde vereitelt Gott alle Mühe und Anstrengung, die wir anwenden, um diese Leere durch irgend Etwas außer Zhm auszufüllen.

Dennoch ist die oft so strafbare Leidenschaft dem Menschen weniger schädlich, als das Laster. Von jener wird die Seele bloß verwüstet und verzehrt; T vom Laster wird sie geschändet. Von» der in Leiden­schaft befangnen Seele kann jene Gluth der Empfin­dung, jene rastlose Thätigkeit, wodurch sie verführt wurde, wieder zu Gott gewendet werde; die laster­hafte Seele aber muß sich vollkommen erneuern, ehe sie Gott ein Seiner würdiges Opfer darbringen kann.

Erleuchte mich, o mein Gött! Lehre mich Deine Wege und öffne meine Augen Deinem Lichte!