Einleitung.

ist der Mensch ein Pilger, der vom Gestern nach dem Morgen hin- überwandert, aber eben erst beim Heute angelangt ist. Und es ist auch die ganze Menschheit auf einer solchen Pilgerreise begriffen, deren Anfangspunkt die Vergangenheit, deren Ziel die Zukunft ist; wir aber schließen uns dieser großen Völkerwanderung unbemerkt an, ein Stück der Reise mitzumachen, um uns wiederum eben so unbemerkt von dieser Pilgerschaft zu trennen. Allein gleichwie' der Wüstenvilger Stätten kennt, wo frühere Genossen ihm eine wirthliche Herberge bereitet haben, so hat auch das ganze Menschengeschlecht bei seiner Pilgerreise über das Erdenrund seine Rastplätze aufgeschlagen und sich wirthlich eingerichtet. Es hat geglaubt, da es zu seinem Baue oft das Festeste verwendete, was die Erde ihm zu spenden vermochte, für eine Ewigkeit gebaut zu haben. Und du kommst nach Jahrtausenden an jene Stätten, wo sich einst stolze Weltstädte, prächtige Königspaläste, herrliche Tempelgebäude erhoben, wo Menschengeist und Menschenkraft das Höchste zu leisten sich bemühten: was findest du? nur Ruinen; oder du siehst die Stätten ehemaliger Cultur und menschlicher Größe und du findest keine Spur mehr von ihnen; du siehst die Stätte, wo sich Prachtbauten erhoben, mit Erde bedeckt, dem wirkli­chen Staube der Jahrtausende, dem Staube, zu welchem Die geworden, welche hier einst ein stolzes Werk zu gründen meinten. Da steht der Mensch in Gedanken versunken und forschend vor dem Trümmerwerk vergangener Pracht, die Menschenhand erschaffen, Menschengeist ausgedacht. Er gedenkt jenes Geschlechtes, das einst hier seine Wohnung fand und er blickt auf sein eigen Haus, seinen Wohnort, seine Paläste und Tempel, und findet Verwandtes, findet von den Ruinen den Uebergang auf seine eigenen Gebilde, und in den Kunstwerken aus jeglicher Zeit Zeugen einer großen Vergangenheit, wie einer gewaltigen Ge­genwart. Der Geist der Menschheit redet aus dem Getrümmer, jener Geist, der bald die Culturhöhen erklommen, bald von ihnen herabgestiegen, um von Neuem sich Bahnen nach dem Lichte und der Freiheit zu brechen, die sich von seinen früheren Bestrebungen nur dadurch unterscheiden, daß sie, immer tiefer und breiter werdend, größere Massen als vormals dem Ziele zuzuführen ver­mögen.

In solchem wechselvollem Laufe schreiten auch wir dahin, und was wir als groß und gewaltig hinterlassen, wird den spätesten Nachkommen nur noch Ruine sein und vielleicht Material zu seinem Hause liefern, während an der Form unserer Gebilde das Licht seines Geistes entzündet wird.