und Ruinen der Vorzeit. - 9

Nähe befindlichen noch mit wenigen Worten zu besprechen, will ich nur Das erzählen, was der griechische Geschichtsschreiber Herodot, welcher 484 vor Christi Geburt geboren ward, von der Erbauung der Pyramide des Cheops berichtet:Nach dem Nhampsinit ward Cheops König in Aegypten, ein ruch­loser, tyrannischer Fürst. Er ließ alle Tempel verschließen, alle Opfer ab­bestellen und befahl, daß alle Aegypter blos für ihn arbeiten sollten. Ein Theil des Volkes mußte in den arabischen Gebirgen, zwischen dem Nil und dem rothen Meere, Steine hauen und sie bis an den Nil schaffen, wo sie auf Schiffen von den andern Arbeitern bis ans lybische Gebirge jenseit des Flusses gebracht wurden. Zu dieser Arbeit brauchte man 100,000 Menschen, von denen immer 10,000 Mann alle drei Monate sich einander ablvstcn. Zehn Jahre von diesen Frohndiensten verstrichen blos mit Anlegung eines Dammes, über welchen die Steine bis zu der Anhöhe, wo die Pyramide erbaut werden sollte, gebracht wurden. Dieser Damm war 3000 Fuß lang, 60 Fuß breit und an der höchsten Stelle 48 Fuß hoch, und mit pvlirten Steinen eingefaßt, worauf man heilige Bilder eingegraben hatte.

Zehn andere Jahre soll man damit zugebracht haben, um theils in dem Hügel, aus welchem die Pyramide steht, theils unter der Erde, Gemächer aus­zuhauen, unv auf einer unterirdischen Insel, die durch einen aus dem Nil her- geleiteten Kanal gebildet wurde, das Begräbniß für den König zuzurichten. Zwanzig Jahre verwandte man auf den Bau der Pyramide selbst, die eine viereckige Gestalt erhielt. Sie ist an der Grundfläche auf jeder ihrer vier Seiten 800 Fuß breit und ebenso viel beträgt auch ihre Höhe.*) Die Steine, von welcher sie erbaut ist, sind polirt und aufs genaueste zusammen gefügt. Keiner ist weniger als 30 Fuß lang. Die ganze Pyramide wurde stufen- oder absatzweise gebildet. An der Spitze der Pyramide befindet sich eine Inschrift mit ägyptischen Buchstaben, welche anzeigt, wie hoch der Aufwand zur Beköstigung der Arbeiter mit Rettigen, Knoblauch und Zwiebeln sich be­laufen habe."

Die zweite Pyramide, die des Cephren, ist fast ebenso groß, wie die erste und zeigt auch äußerlich keine Verschiedenheit, obwol die innere Einrich­tung in Betreff der Säle etwas abweichend ist. 1818 gelang es dem Alter­thumsforscher Belzoni, den Eingang aufzufinden, aber wie sah man sich ge­täuscht, als man beim Eintritt eine Inschrift vorfand, welche meldete, daß diese Pyramide schon einmal zur Zeit der Kalifen geöffnet worden sei, und die Zer­störungen in diesen düstern -Räumen, der Zustand des Sarkophags, in welchem man nur Stierknochen fand, bewies nur zu sehr die Wahrheit jener Inschrift. Der obere Theil jener Pyramide ist fast noch ganz unberührt, die Stufen sind durch dreiseitige Steine ausgeglichen und bilden eine fast unzugängliche Ab­dachung. Fast unzugänglich: denn so unmöglich und höchst gefährlich es auch scheint, auf solch einer dachartigen Fläche vorwärts zu dringen, so hatte den-

*) Diese Angaben sind falsch, wie wir früher gesehen haben.