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Die Wunderbauten und Ruinen der Vorzeit.

ihrer Form, merkwürdig in ihrer Herstellung sind, so ist dies in anderer Hin­sicht nicht weniger mit den

Obelisken

der Fall, denen wir auf unserer Wanderung durch das Wunderland Aegypten nicht selten begegnen. Sie sind eine ägyptische und diesem Lande eigene Erfin­dung, zugleich die einfachsten Werke seiner Baukunst. Ihr Name, aus dem Griechischen abgeleitet, bezeichnet sic in witzelnder Weise alsSpießchen". Sie haben die Gestalt eines vierseitigen Prisma, endigen sich oben in einer Pyra­mide, und trotz einer Höhe von oft 100 Fuß, weicht die größte Breite der Grundlinie von der der Pyramide ihrer Spitze meist nur um wenige Fuß ab. Die Zeit der Aufstellung der ersten Obelisken ist unbekannt, doch scheinen die ältesten nicht viel über 1800 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung errichtet worden zu sein. Alle Obelisken bestehen aus einem einzigen Steine, sind also Monolithen, und der rosenrothe Granit von Syene in Oberägypten ist das alleinige Material, welches dazu verwandt ward. Die vier Seiten waren schön polirt und von der Spitze bis zum Fuße mit Hieroglyphen bedeckt. Welche mechanischen Mittel mußten den Aegyptern zu Diensten sein, erwägen wir, daß die Steinbrüche, in denen sie gebrochen wurden, weit von dem Orte ihrer Aufstellung entfernt sind; daß sie in einem so gewaltigen Stücke von dem Felsen losgetrennt, von da nach dem Nil und auf diesem wieder bis an den Ort ihrer Aufstellung gebracht wurden. Welche Kräfte gehören dazu, eine so gewaltige Masse ungefährdet senkrecht an ihrem künftigen Standorte auf­zurichten! Sie standen paarweise vor den Eingängen zu den Tempeln und Palästen, Herolde des Ruhmes der Erbauer derselben, und wie gewaltig der Eindruck gewesen sein muß, welchen diese Spitzsäulen selbst auf das Gemüth wilder, zornentflammter Eroberer gemacht haben, davon weiß die Geschichte zu erzählen. Als Ca'mb yses von Persien im Jahre 530 vor Ehr. Geb. Aegypten verwüstete, seine Städte niederbrannte und schonungslos gegen die herrlichsten Bauwerke wüthete, fiel auch Theben in seine Gewalt. Aus Rache, über den gefundenen Widerstand verwüstete er die heiligen Gebäude der Bewohner der Königsstadt, der heilige Apis erlag seinen eigenen Streichen, und bald züngelten die blutrothen Feuerflammen gen Himmel. Da erblickte der erbitterte Eroberer die beiden von Rhamses II und III errichteten Obelisken, und diese Denkmäler früherer Größe und Kraft des ägyptischen Volkes flößten ihm solch unbe­grenzte Ehrfurcht ein, daß er augenblicklich den Befehl gab, die Flammen zu löschen, nur um die Obelisken vor der Zerstörung zu sichern. Zweitausend- dreihundert Jahre später ward ein anderer weltstürmender Eroberer, der General Bonaparte, durch herrliche Siege bis zu den Ruinen von Theben, bis zu den Obelisken geführt, und der Anblick dieser uralten Ueberreste aus der Pha- raonenzeit entflammte seinen für das Erhabene empfänglichen Geist so sehr, daß er den Entschluß faßte, sotveit seine Mittel ausreichten, jene Steinmassen nach Frankreich schaffen zu lassen. Die Oberherrschaft Englands zur See ver-