Der Völkervcrkehr in der Vergangenheit und Gegenwart. 133

im Innern der Binnenländer, auf den frucht- und grasreichen Gefilden von Gvtt gesegneter Länder, wie in der dürren Sandsteppe Afrika's und Asiens, im Urwalde, wie in der Prairie Amerika's. Ueberall, überall tritt der Mensch gebietend ans, und bleibt, trotz aller äußerer Unterschiede, immer Derselbe, wäh­rend die ihn umgebende Natur in Pflanzen- und Thiergestalten dem bestän­digen Wechsel unterworfen ist. So findet die Wahrheit jenes göttlichen Segen­spruches, jenes Weihewortes in der Wirklichkeit ihre vollste Bestätigung. Bon Osten, da, wo die Sonne ausgeht, ist die Menschheit ausgegangen, und der Schatten der ersten Menschen im Strahle der lichten Morgensonne bezeich­net als Wegweiser die Bahn, welche das ganze Geschlecht bei seiner Mehrung einzuhalten habe. Hub der Mensch hat sie eingehalten! Von dem Mittlern Hochasieu treten die Völkerstämme die Wanderung gen Untergang der Sonne an, Afrika und Europa bevölkernd. Weiter ging ihr Lauf; Amerika und Austra­lien ist die Hcimath des zukünftigen Geschlechts, so daß der Mensch einst, dem Erd- umsegler gleich, von Osten kommend, die Urstätten der Menschheit neu betreten wird, während schon frühzeitig die Völkerstraßen nach Nord und Süd sich bildeten.

Beginnen wir mit den ursprünglichen Verhältnissen des Menschenverkehrs, so finden wir die ersten in dem Familienleben. Aus diesen Anfängen entwickeln 'sich die Stämme, welche wiederum zu Völkerschaften erwachsen. Als Hirten, Jäger und Ackerbauer bezeichnen schon die heiligen Schriften die Urväter der Menschheit; Hirten, Jäger und Ackerbauer mögen der ursprüngliche Cha­rakter derselben gewesen sein. Doch wie die Menschheit sich mehrte, so such­ten auch die Ackerbauer sich andere Stätten ihres Fleißes, um fern von der heimathlichen Scholle ein leichteres Fortkommen zu finden. Dörfer und Städte entwickeln sich im Laufe der Zeiten inmitten dieser fleißigen Menschen, und bald werden die Stävte die Zufluchtsörter des Handwerks und der Kunst. So bildeten sich gesellschaftliche Zustände, so mehrte sich der Wohlstand ange- baueter Gegenden. Natürlich wurde dadurch der Neid der ärmeren Jäger­völker erregt, und er führte sie bis zu feindlichen, räuberischen Angriffen auf die Habe der friedlichen Ackerbauer. Da bildeten sich die Oberhäupter der Stämme und Völker; eine Vereinigung verschiedener Völker entstand unter ge­meinsamer Oberherrschaft zu Schutz und Trutz. Wälle umgaben die Wohn­orte, und unter ihrem Schutze erwuchsen sie zu Stätten höherer Cultur. So erwuchs ein Volk neben dem andern, und wenn es zahlreicher geworden, so erweitert cs seine Grenzen oder es zieht aus, um sich eine neue Heimath zu suchen, nicht selten sie mit dem Schwerte erobernd, lmd die bisherigen Land­sassen daraus vertreibend. Doch neben den Gängen der Menschenverbindung, wo auf Heerstraßen Eroberer und Krieger unter Schlachtgetümmel vorschreiten, findet sich auch auf Nebenwegen unbemerkt der Handelsmann ein, und er verbindet Das, was Gebirge und Meer, Religion, Sprache und Sitte tren­nen. Gewerbe und Handel stiften die wohlthätigsten Menschenvereine, und unter- allen Gottesanstalten zur Erziehung der Menschen giebt keine so mächtig