Am Feste der Erscheinung deS Herrn. 2z

benmenschen des Besseren, und hofft und vermuthet immer das Beste, bis er vernünftiger Weise etwaS Schlimmes fürchten zu müssen glaubt. Aber der Mißtrauische legt alles bös aus, ohne hinreichende Gründe dazu zu haben, ohne auch nur Wahrschein­lichkeit zu haben, daß die Sache so oder anders seyn möge. Jeder Umstand laßt ihn gleich das Schlimmste fürchten; jeher Schritt, den ein andrer thut, wenn er nicht gleich weiß, wo er hinzielt, er­regt bey ihm Furcht und böse Ahnungen. Jeder Umstand ist ihm eine schlimme Borbedeutung.

In einem Beyspiele will ich euch den Klugen und Vorsichtigen und den Mißtrauischen noch kennt­licher machen. 3. B. ein Hausvater ist klug und vorsichtig, wenn er sein Geld, und was er sonst hat, wohl verwahret; er argwöhnet nichts Böses dabey^ er halt seine Hausleute alle für treu und redlich; aber dennoch um klug und vorsichtig zu seyn, thut er, was ein kluger Hausvater thun muß. Aber ein mißtrauischer Hausvater fürchtet schon, wenn er nur an sein Eigenthum und an seine Leute im Hause denkt. Er fürchtet den bloß möglichen Fall schon, es könne doch geschehen. Er hat gar keine Ursache, seine Leute für untreu zu halten, und viel­leicht fallt es ihtien auch nie ein, fremde Sachen zu berühren, und dennoch verriegelt und verschließt der mißtrauische Mann alles, und es ist ihm so bange, als wenn ihm wirklich sein Eigenthum schon entwen­det wäre. Das ist Mißtrauen. Also wenn man Böses fürchtet, ohne vernünftigen Grund zu haben, so ist man mißtrauisch; wenn man aber Böses fürchtet, mit Grund und hoher Wahrscheinlichkeit, und die Sache zu verhülhen sucht, so ist man klug und vorsichtig.