24 Am Feste der Erscheinung des Herrn.
Herodes war Mkhr mißtrauisch, als vorsichtig und klug; denn er hatte noch keinen Grund, wenigstens keinen vernünftigen und hinreichenden Grund zu fürchten, daß ein neu geborner Iuden- könig ihn seiner Herrschaft berauben werde. 1) Wußte er noch nicht einmahl gewiß, ob ein solcher wirklich geboren sey: 2) was kann inan von einem Kinde fürchten, das in so dürftigen und niedrigen Umstanden geboren wird, wie Jesus es war. Also Herodes war mißtrauisch ; und daher machte er sich so viele unnöthige Sorgen und llnruhe, und war daher sehr unglücklich, wie es jeder Mißtrauische ist.
ki. Der Sorgen gibt es in diesem Leben ohnehin viele, und zwar lauter nöthige und nützliche Sorgen ; wie beunruhigt muß nun vollends erst der feyn, der sich obendrein auch noch viele unnöthige Sorge macht, wie der Mißtrauische, der die ganze Welt für böse halt, und sich von allen Menschen keines Guten verstehet. Jeden Tritt thut der Mißtrauische mit Furchtsamkeit, wachend und träumend stellt er sich Menschen vor, wie sie ihn zu be- triegen, zu schaden und berauben suchen; und gleichwohl sind diese Menschen nur in seiner Einbildung vorhanden. Ein Mißtrauischer hat keinen einzigen Freund, oder wenn er einen hat: so schafft er sich auch diesen bald wieder von der Seite, weil er niemanden für gut halten kann, weil er alle Men»> schen für bösgestnnt halt; und bey jedem unbedeutenden Anlaß gleich Verdacht gegen jeden schöpft. So ist der Mißtrauische immer mit Geschäften und Sorgen überladen, weil er mit niemanden theilt, oder niemanden ecwas übertragen will, aus Furcht, es möge ihm ein böser Streich gespielt werden, Dep Mißtrauische ist von allen gehaßt, eben darum,

