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nicht vor den Spiegel hin, welchen dir die sichbare Schöpfung vorhält, oder doch, thue es, ja halte dir diesen Spiegel von der Güte und Allmacht deines Schöpfers recht oft vor: aber schaue nicht allein den Glanz der Farben an, von dem die Din­ge umstrahlt sind verweile nicht bloß bei der augenscheinli­chen Güte der Geschöpfe, die in ungemessenen Reihen vor dei­nen Blicken vorüberziehen: nicht an dem hafte dein Auge, was veränderlich, unbeständig und vergänglich ist: er­schaue im Geiste nur das, was ewig bleibend, ewig schön und wahr, ewig recht und gut ist, was nun einmal ganz und gar gleich ist dem rein sten, dem freie sten und einfach­sten Gedanken des heiligsten Schöpfers; und weil Gottes Gedanken auch seine wesen hafte Güte, seine wesenhafte Weisheit, seine wesenhafte Macht und Liebe sind : so er­schaue im Spiegel der Werke Gottes diese einfache, nur mittelst der Vernunft oder im Geiste erkennbare Wesenheit deines Schöpfers, und du wirst, obgleich nur eine äußerst schwache,doch wahre Ansicht von dem Unsichtbaren an ihm, nämlich von seiner ewigenKraft und Gottheit(Röm. 1,2v)gewonnenhaben.

Darnach beurtheile dann auch deine Seele und erkenne es: auf dieselbe Art, wie Gott unsichtbar ist, ist auch das Wesen deiner Seele u n si ch tb a r; wie Gott nur im Geiste und in der Wahrheit erkennbar ist, so ist gleichmäßig auch die Seele des Menschen nur im Geiste und in der Wahrheit oder unmittel­bar durch sich selbst, durch ihre innersten Wirkungen, Gedan» ken und freie Willensbewegung erkennbar. Mit einem Worte, wie die Ursache ist, von gleicher Natur ist auch die Wirkung; rein g e i st i g und h ö ch st fr e i ist der Ursprung der Seele: freithätig und unsichtbar, ein geistiges Wesen ist auch die Seele; sich selbftbestimmend ist die ewige Weisheit und höchste Güte, der erste Grund oder Ursprüngen dem Daseyn der menschlichen Seele; sich selbst bestimmend in der ewig beseligenden Abhängigkeit von dieser Güte und Weisheit ist auch die Wirksamkeit der Seele. Im Hochgefühle der Wahrheit also, mit der dankbarsten Liebe werden wir es eingestehen, daß das Wesen der Seele erschaffen ist nachdem Bilde und Gleichnisse des heiligsten Schöpfers. Wollet ihr das, was uns die Wahrheit unsers Glaubens versichert, auch