Zögling. Ein Körper ist alles, was man sehen kann.

Lehrer. So müßte also auch dein Schatten, des­wegen, weil du ihn sehen kannst, ein Körper genannt werden. Sage mir doch, wie ein Schatten entsteht; dann wird es dir klar werden, daß nicht alles, was wir sehen können, ein Körper ist.

Zögling. Ein Schatten oder eine unbeleuchtete Stelle entsteht, wo die Sonnenstrahlen oder das Licht von einem Baume, Haus, einem Berge, Thiere, Men­schen oder sonst etwas aufgehalten werden.

Lehrer. Meinst du nun, daß die Stelle auf der Erde oder an der Wand, von der du das Licht abhältst ' und die dir deshalb als ein dunkles Bild vorkommt, etwas mehr geworden, als sie gewesen, da sie noch vom Lichte beschienen war? ein Schatten ist ja nur Mangel odrr Abwesenheit des Lichtes.

Zögling. Ein Körper ist alles, was man füh­len oder empfinden kann.

Lehrer. Wenn die Wasser gefrieren und die Flusse mit Eis gehen, kannst du die strenge Kälte doch gewiß anch fühlen oder empfinden, und doch ist die Kälte eben so wenig ein Körper, als dein Schatten; denn sie ist ja auch nur Mangel oder Abwesenheit der Wärme.

Zögling. Ich meine, ein Körper müsse seyn, was man mit Händen fassen und ergreifen, was man fcsth alten könne!

L e h r e r. Wohl recht! aber es giebt Dinge, die wir nicht mit Händen fassen und ergreifen, noch fcst- haltcn können, und die dennoch Körper sind, z. B. die Luft, die wir einathmen und die uns überall umgiebt.

Zögling. Dann ist alles ein Körper, was sich irgendwo wirklich befindet.

Lehrer. Also auch der liebe Gott? der sich im Himmel, auf Erden und an allen Orten befindet; oder dein eigner Geist, der in dir denket und fühlt? ich wills euch nun sagen: ein Körper ist, was ei­lt e n Raum e i n n i m m t oder a u s l l t. Wenn du z. B. Wasser in eine Flasche gießest, so weicht die Luft aus der Flasche heraus, und das Wasser füllt nun den Raum aus, den früber die Luft einnahm. Luft und