374
Fünftes Hauptstück.
II. Schwammgewächse oder Geschwülste unter der Haut.
In Folge von Schlägen, Bissen, Quetschungen u. s. w. bekommen die Hunde runde oder längliche, harte Geschwülste unter der Haut, die sich hin- und herschieben lassen, oder mit dem Körper fest verwachsen. Allopathisch werden derlei Schwammgewächse nur durch den Thierarzt mittelst Operation beseitigt.
Homöopathisch gibt man anfangs Anika, später Causticum.
12. Tollwuth.
Wir beklagen die Einwohner heißer Länder, weil sie dem Bisse giftiger Schlangen ausgesetzt sind, der sie unfehlbar tobtet. — Wir haben in den Hunden Geschöpfe, welche durch ihren Biß noch gefährlicher sind als die giftigen Schlangen; Thiere und Menschen, welche von tollen Hunden gebissen werden, gehen auf eine jämmerliche Art zu Grunde.
Gemeiniglich glaubt man, der Sommer sei vorzüglich die Jahreszeit, in welcher die Hunde von der Tollwuth befallen werden; dies ist aber keineswegs der Fall; diese Krankheit des Hundes kommt in allen Jahreszeiten zum Vorscheine. Ferner ist es ein arger Mißbrauch, tolle oder toll sein sollende Hunde zu erschießen und zu erschlagen, besonders wenn Menschen von denselben gebissen wurden. Man fange die Hunde ein, sperre sie in einen Käfig und beobachte sie. Die Angst manches Menschen, er sei von einem tollen Hunde gebissen worden, hat ihn ge- tödtet; hätte man den Hund eingesperrt und es hätte sich gezeigt, daß er nicht toll war, so wäre dieser Mensch auch nicht ein Opfer seiner Angst geworden.
Wird ein Hund von einem tollen Hunde gebissen und es kommt ihm von dem Giftstoff in die Wunde, dann wird er innerhalb 3— 8 Wochen ebenfalls toll. Kommt aber nichts von dem Giftstoffe in die Wunde, so bleibt der Hund gesund; ein Fall, der sich häufig genug ereignet.
Die Tollwuth des Hundes ist zweierlei: die rasende und die stille Wuth.
a) Die rasende Wuth.
Die ersten Symptome dieses Leidens finden sich in einem veränderten Benehmen des Hundes. Der Hund wird entweder scheinbar munterer, oder er wird zornig oder verdrießlich. Dabei stellt sich eine Neigung, allerlei

