i2 I. i. Flucht aus den Bleykammern.

mächtigen Schlüssel, und öffnete eine sehr dicke, mit Eisen beschlagene Thür, die ungefähr viertehalb Fuß hoch war, und in ihrer Mitte e,n rundes, im Durch« schnitt acht Zoll großes Loch hatte. Mittlerweile ber trachtete ich eine sonderbare Maschine von Eisen, die an der Wand befestigt war, und wie ein Hufeisen aussah. Der Gefangenwärter nahm meine Ber< wunderung wahr, und sagte mit lächelnder Miene: «ich merke wol, Herr, daß Sie gern wissen möchten, wozu das Ding da dient, und ich kann's ihnen wol sagen. Unsere Ercellenzherren befehlen mannigmal, daß einer erdrosselt werden soll. Da setzt man ihn denn auf einen Schemmel, und zwar so, daß er dies Halsband im Rücken hat, welches ihm bis zur Halste um den Hals gehen muß. Die andere Halste deS Halses umwickelt man ihm mir einer seidenen Schnur, steckt ihre beiden Enden durch das Loch da, und befe­stigt sie an einer kleinen Winde. Hernach dreht einer so lange, bis dekn armen Sünder die Seele aus dem Leibe fahrt; denn der Beichtvater verlaßt ihn, Gott sep Dank! nicht eher, bis er völlig todc ist.«- «Eine hübsche Erfindung! gab ich zur Antwort. Und Sie, mein Herr, haben vermuthlich die Ehre, die Winde zu drehen? Der Kerl schwieg. Ge­bückt kroch ich in meinen Kerker. Er schlug die Thür hinter mir zu, und fragte mich sodann durchs Gitter, was ich zu speisen begehrte. Daran habe ich noch nicht gedacht, erwiederte ich. Er ging, lind schloß eine Thür nach der andern hinter sich zu.

io. Das Gefängniß.

Staunend über mein Geschick, lehnte ich mich mit dem Ellbogen an das Gitter meines Gefängnisses. Es war wenigstens zwey Schuh breit. und bestand aus sechs eijernen Stangen, deren jede einen Zoll im

Durch-