20 I. i. Flucht aus denBleykammem.
zen. Ieht wurde ich gewahr, daß ich an den blinden Hämorrhoiden litt, die ich auch nachher auf meine ganze Lebenszeit behielt. Ich bekam ein heftiges Fie, ber, und mußte mich zu Bett legen. Zwcy Tage lang gab ich keinen Laut von mir. Am dritten ward der Gefangenwärter zu seinem Erstaunen gewahr, dasi ich zwey meiner Mahlzeiten nicht angerührt hatte. Er fragte, wie ich mich befinde? Ich erwiederte: recht wohl. Hierauf erzählte er mir, wie gut es die Gefangenen hätten, wenn sie krank wären. Sie ber kämen, sagte er, die Arzneymittel unentgeldlich, und dürften weder Arzt noch Wundarzt bezahlen. Ich schwieg. Gleichwohl kam er nach Verlauf von einir gen Stunden in Gesellschaft eines ernsten ansehnlichen Mannes zurück, den ich sogleich für einen Arzt ansah. Ich lag im heftigsten Fieberparoxysmus, beantwortete aber dennoch seine Fragen nicht, sondern begehrte ihn allein zu sprechen. Dies wollte der Gefangenwarrer durchaus nicht gestatten. Beide traten wieder ab, und im Weggehen sagte der Arzt, ich sey in Tvdesr gefahr. Zn der That war ich rasend, und achtete mein Leben für nichts. Nach vier Stunden that sich mein Gefangniß wieder auf; der Arzt allein trat vor mein Bett; der Gefangenwärter blieb draußen stehen. In Zeit von einer Viertelstunde sagte ich dem Arzte alles, was ich ihm zu sagen hatte. Er rieth mir, so viel möglich mich aufzuheitern, und versprach mir, statt der mystischen Bücher, welche man mir gegeben hatte, eine andere Lectüre. Er verfertigte mir sodann eine ziemliche Quantität Limonade, bat mich, oft davon zu trinken, und aing seines Weges. Ich schlief die Nacht hindurch ziemlich ruhig, träumte aber allerley wunderlich Zeug, wozu die Veranlassung in den erwähnten mystischen Schriften lag. Am folr genden Morgen kamen Gefangenwärter, Arzt uyd Wundarzt zu mir. Man ließ m«r 511t Ader, verschrieb
mir

