I. i. Flucht aus den Bleykammem. 21

mit Medicin, und behandelte mich aufs beste. Der Arzt warf meine mystischen Bücher zum Kerker hin- aus, und gab mir den Boethius dafür. Allgemach erholte ich mich wieder, bekam wieder Eßlust und Schlaf, und zu Anfang des Septembers war ich völ- lig genesen.

19. Der Spaziergang.

Mein Zustand war erträglich. Ich hatte über nichts zu klagen, als über Hitze, Flöh und Langweil; denn immer konnte ich doch nicht in meinem Boethius lesen. Der Gefangenwärter erzeigte nur nunmehr einen wesentlichen Dienst. So oft mein Kerker ge­reinigt y?urde, erlaubte er mir, in die Dachkammer zu gehen. Mit großen Schritten lief ich hier auf und ab. Gewöhnlich dauerte dieser Spaziergang fünf Mir nuten. Diese Erlaubniß betrachtete ich als eine sehr große Gnade. Noch weiß ich nicht, hatte ich sie dem Secretaire der Staatsinquisirion, oder dem Gefanr genwartec zu danken. Merkwürdig war es immer, daß ich sie nur dann erst erhielt, als ich letzterm fünf und dreyßig Livres überließ, die ich mir zu Ausgang des Augustmonates erspart hatte. Er bekam sie zwar mit dem Aufträge, dafür Messen lesen zu lassen; sein Dank überzeugte mich aber, daß er dies Geld zu seinem eigenen Nutzen verwende. Inzwischen glaubte ich, die erhaltene Vergünstigung nicht zu theuer bezahlt zu ha­ben , und gönnte ihm von nun an meine Sparpfen­nige herzlich gerne.

20. Freyheitsgedanken.

Seit dem ersten September legte ich mich jeden Abend mit der Hoffnung nieder, daß ich des andern Morgens meine Freyheir erhalten würde. Da jedoch B 3 über