I. i. Flucht aus den Bleykammem. $t
der Gefangene nicht den ganzen Tag über bis an die Knie in salzigem Wasser stehen, so ist er genöthigt, sich auf ein Gestell zu setzen, das ihm zugleich zum Nachklager dient. Zu seiner Bequemlichkeit har ee nichts, als einen Strohsack. Alle Morgen erhält ee einen Krug mit Wasser, eine Suppe, und ein Stück schwarz Brod. Letzteres muß er gleich verzehren, wo, fern es ihm die Wasserratten nicht wegfrcssen sollen, deren es hier größere gibt, als in meiner Dachkammer. Wer in ein solches Loch gesteckt wird, kömmt selten wieder heraus. Man sollte glauben, daß es hier nie, mand langer, als höchstens ein halbes Zahr aushalten könne, und dennoch haben verschiedene solcher Gefange, nen ein hohes Alter erreicht. Co starb zu meiner Zeit ein Greis von achtzig Zähren in einem dieser Löcher, der, als man ihn hinemsteckte, erst vierzig war. Er hatte sich im Zahr 1716 bey der Belagerung von Lorfu als Spion brauchen lassen. Zch glaubte ganz gewiß, daß ich ein ähnliches Geschick haben, daß n»an mir ebenfalls einen dieser sogenannten Brunnen zum Aufenthalt auweisen würde.
3. Lorenz in Wuth.
Endlich hörte ich die Thür öffnen, und jemand mit hastigen Schritten durch den Gang tappen. Es war Lorenz. Er schäumte vor Wuth, begehrte die Werkzeuge von mir, womit ich den Boden aufgegraben hätte, und wollte durchaus wissen, von wem ich sie bekommen hätte. Zch that, als verstünde ich ihn nicht. Er befahl hierauf zwei) Haschern, mich zu vi- siciren. Ohne dies abzuwarten, warf ich die Kleider vom Leibe, und stellte mich muttcrnackt vor ihm hin. Zehr mußten seine Leute mein Bett, meinen Strohsack, ja sogar den Nachrstuhl durchsuchen. Er selbst riß das Kissen von meinem Sessel, befühlte es überall, D 2 und

