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schon weit davon. Sie klettern rasch auf den Gipfel eines Baumes, fassen den biegsamsten Zweig, schwingen sich 23 mal hin und her und schleudern sich so ohne Anstrengung ge­gen 40' weit fort.

Der herabfliegende Vogel ist ein D a m e n p a p a g a i sl'8,taeu8 domiceilrt) , der, wie alle rothen Papagaien ans Ostindien, auch Lori genannt wird. Er hat die Größe einer Taube und lernt bald sprechen.

Auf dem Boden ist ein k n rz s ch w ä n z i g es Schup­penthier (Manis brachyura), auch unter bellt Namen forMofanischcs Ten selchen bekannt. Dieses Thier, ohne den Schwan; etwa 2' lang, kann sich fast wie der Igel zusam- meurolleu und ist dann durch seine starken und spitzigen Vchup- pen gegen die Krallen und Zähne seiner Feinde geschützt. ES beleidigt niemand; mit den Krallen wühlt es die Ameisen­haufen auf, streckt dann die lange klebrige Zunge hinein und zieht sie zurück, wenn genug Ameisen und Puppen daran hängen.

Die Carettschildkröte (Clielonia imbricata) ist ei­gentlich eine Meerschildkröte; sie geht aber oft viele Meilen weit ins Land hinein. Ihr Fleisch ist den Seefahrern eine sehr erwünschte Speise; ihr Schild gibt das so geschätzte Schildkrott zu Kämmen. Auch ihre Eier, die sich gewöhnlich in grobem Sande finden, sind schmackhafter als die Eier an­derer Schildkröten. Man findet sie in der ganzen heißen Zone.

Nechts. Der Baum, welchen der eine Affe erklettern will, ist eine S ch I r IN p a l »I e (Corypba umbraculifera). Beim aus­gewachsenen Baume sind die Blätter so groß, daß jedes eine Länge von 18' und eine Breite von 14' hat. Wenn er aber einmal Früchte (kleine Beeren, aber in zahlloser Menge) an- setzt, so fallen die Blätter allmählich ab, und wenn sie reif sind, so stirbt der Baum. Mit den Blättern deckt man die Häuser und die Malabarcn brauchen sie als Papier, auf das sie mit eisernen Griffeln schreiben.

Die Affen sind weiße oder Entel lu saffen (8>mia entell»8), welchen die Hindus von Atters her einen der er- i sten Plätze unter ihren 30 Millionen Gottheiten angewiesen baben, und von denen man in Bengalen die Wälder ange­füllt und die Pagoden bedeckt sieht. Sie sind 3'/,' hoch und von unglaublicher Behendigkeit; wie der Blitz sind sie von der Erde auf dem Gipfel eines hohen Baumes und springen von da auf einen andern, weit davon entfernten Baum. Außerdem sind sie sehr diebisch und schlau; die Brammen freilich würden es für unrecht halten, sich ihre Gärten nicht plündern zu laffen, geschweige denn sie zu tödten. Sie glau­ben, man verdanke diesem Affen die liebliche Mangofrucht, welche er einst aus den Gärten eines berühmten Niesen auf Ceylon gestohlen habe. Zur Strafe dafür wurde er zum Feuertod verurtheilt; er löschte jedoch das Feuer aus, ver­brannte sich aber dabei Gesicht und Hände und diese blieben seitdem schwarz.

Der ostiudische Marabu oder Niesenstorch (Ardca ar- gala), auch Adjutant genannt, ist 6 7' hoch; seine Flugweite beträgt 14. Ueber dem Schwänze hängen lange, sciveartige Federn, welche zu einem prächtigen, aber kostbaren Kopfschmuck der Frauenzimmer verwendet werden. Er frißt Alles, was ihm vorkommt, namentlich Aas, verschluckt aber auch ganze Katzen, Vögel u. dgl. Da mau in Indien glaubt, die See­len der Braminen fahren in diese Vögel, so wird er dort heilig gehalten, steht unter öffentlichem Schutze und wird den Einwohnern der Städte oft lästig. Während der großen Ta­geshitze erhebt er sich hoch in die Luft und kreist herum, bis es kühler wird.

Tafel H.

Links. Die gemeine Weinpalme (Borassus (labelliformis) wächst in Ostindien an Orten, wo die Kokospalme fehlt und gewährt nach dieser am meisten Nutzen. Die Blätter sind 13' lang, 9' breit; die Frucht ist kleiner als die Cocusnuß; ihre äußere Schaale enthält ein schwammiges, süßes Fleisch, in welchem 2 oder 3 länglich runde Nüsse liegen mit stein- bartcr Schale und bläulichem eßbarem Kern; in dem jungen Kern ist ein süßer, schmackhafter Milchsaft. Der Baum trägt nach 20 Jahren Früchte und soll 200 Jahre alt werden. Der Palmwein, wegen dessen man den Daum ebenfalls baut, wird gewonnen, indem man die noch nicht geöffneten Blüthenschei- den oben abschneidet und einen Topf daran hängt, in welchen der Saft hineintröpfelt. Man muß täglich eine neue Scheibe vom Kolben schneiden, bis nichts mehr übrig bleibt- Will mau den Palmwein nicht trinken, sondern Zucker daraus ma­chen, so bestreicht man den Topf im Innern mit Kalk, wo­durch der Saft dicker wird und süßer bleibt. Er wird dann in der Form kleiner Brode oder Täfelchen getrocknet. Auf Ceylon und Coromandel liebt man vorzüglich die halbreifen Früchte, die man noch mit den Fingern zerdrücken kann; der Saft, den man dann anssaugt, ist schmackhaft und kühlend. Den Saft der reifen Früchte läßt man zu Kuchen trocknen, die man einige Tage in den Rauch hängt und für den Win­ter aufbewahrt. Aus dem schönen Holz macht man allerlei Geräthschaften, aus den jungen Blättern Papier zu Briefen. Man faltet die Blätter nach ihren natürlichen Furche» zusam­men, steckt einen Faden durch und bindet sie zu.

An dem Stumpfdaneben hängt rin Al eranders Pfeil­

schwauz (PsHfacus Alexandri), ctit Papagei, welcher zuerst durch die Züge Aleranders des Großen aus Indien nach Eu­ropa kam, er soll leicht sprechen lernen.

Die Brillen- oder Hut sch lange (Naja tripudians), 4-6' lang, ist eine der gefährlichsten Schlangen Ostindiens. Wenn sie gereizt wird, zieht sie ihre laugen Halsrippen vor­wärts , wodurch der Hals sehr breit wird und wie ein Hut auösieht. Leute, welche sie in ihrer Höhle fangen wollen, graben vorsichtig nach, ergreifen den Schwanz mit der linken Hand, fassen mit der rechten weiter vorwärts und ziehen das Thier schnell durch die rechte Hand, bis diese sich hinter dem Kopf befindet, so daß cs nicht mehr beißen kann. Man geht übrigens nie allein auf die Jagd; immer trägt jemand eine Kvhlpfanne mit und erhält beständig einen eisernen Nagel im Glühen, um denselben in eine etwa empfangene Wunde zu stoßen.

Die Malabarcn erweisen diesen Schlangen göttliche Ver­ehrung und tragen aus Furcht Nahrungsmittel au ihren Aufenthaltsort, um sie von den Wohuunacn entfernt zu hal­ten. Wenn sich eine in ein Haus geschlichen hat, so bittet sie der Hausherr höflichst hinauszngehen; beliebt cs ihr nicht, so sucht er sie durch angebotcue Milch hinansznlocken; ist auch dieses vergeblich, so wird ein Bramine gerufen, der ihr mit vieler Beredtsamkeit verstellt, wie groß die Hochachtung der Malabarcn gegen sie sey und daß sie in Betracht solcher Gründe sich möchte bewegen lassen, die Familie zu verscho- neu. Es gibt Schlangeiizaubercr, welche sie, wie der Eng­länder Davy sagt, durch Schläge und drohende Bewegungen der Hand reizen und dann wieder durch ihre Stimme, durch langsame Kreisbewegungeu der Hand und fauste Schläge be­ruhigen. Das Tanzen der Schlange auf Befehl der Gaukler besteht eben darin, daß sie der Hand folgt und sich ebenfalls hin und her, auf und ab bewegt. Wird das Thier böse, so vermeiden sic geschickt seine Angriffe und spielen mit ihm nur, wenn cs ^beruhigt ist, wobei sie daun das Maul des Thiers an ihre Stirne bringen und damit über das ganze Gesicht fahren. Diese Menschen, sagt Davy, besitzen wirklich einen Zauber, nämlich den des Vertrauens und des Muths; wer Beides hat und eben so gewandt ist, als sie, kann ihr Spiel nachahmen und ich habe es mehr als einmal gethan.

Ncchts. Der gemeine Meloncnbaum (Cariea papaya), ursprünglich im heißen Amerika einheimisch, von da nach'Ost­indien verpflanzt, ist nun in Wäldern und Gärten zu finden. Die Frucht wird manchmal 15 Pfund schwer; sie hat ein gel­bes, saftiges und kühlendes, jedoch wenig nahrhaftes Fleisch. Wo diese Bäume häufig sind, füttert man die Frucht den Schweinen. Der Baum schießt noch hastiger aus dem Sa­men auf als der Pisang; im 6ten Monat ist er schon manns­hoch und trägt Früchte, im dritten Jahr ist er schuhdick, int vierten fängt der Gipfel an zu faulen und abzusterben. Er blüht und trägt das ganze Jahr und der Stamm ist meistens ganz mit Früchten bedeckt. Da er hohl und weich ist und keinen Mann tragen würde, so läßt man Knaben daran hin­aufklettern, um die Früchte abzunehmcn.

Der gemeine Cacadn (Psittacns cristatus), welcher auf dem Melonenbaum sitzt, ist 16" lang; er hat den Na­men von seiner Stimme. Er wird sehr zahm, steigt possier­lich an Stangen auf und ab und lernt auch papvcln. Er wird mit Backwerk und mehligen Samen gefüttert, säuft gern Milch und läßt sich gern hinter dem Kopf kratzen; dafür lieb­kost er auch seinen Pfleger und beleckt ihm das Gesicht.

Das indische fliegende Eichhorn (8oiuii>8 potau- i-'mta), auch Taguan genannt, ist 16" lang, mehr als noch so groß als das gemeine, welches im Norden lebt. Es geht nur bei Nacht umher und ist im Stande, sich in einer Nacht aus einem hölzernen Kasten zu nagen. Wenn die fliegenden Eichhörnchen von einem Bäum zum andern springen, so brei­ten sie durch Aussperrung der Füße die Flughaut aus und schweben so durch die Luft. Sie können sich wohl 20 Klafter weit schwingen, aber nicht in wagrechter Richtung, sondern schräg abwärts vom Gipfel eines Baumes zur Mitte des andern.

Die orientalische Zibcthkatze (Viverra zibethal ist länger als eine Katze, kommt aber in der Lebensart mit ihr überein; sie klettert leicht auf Bäume, steckt auch oft den Schwanz ins Wasser und wirft Garneelen (eine Art Krebse), die sich daran hängen, schnell heraus und frißt sie auf. Sie wird im Orient sehr häufig zahm gehalten um des wohlrie­chenden Zibcths willen, den man ihr wöchentlich 2mal mit einem silbernen Löffelchen aus dein Drüsensack nimmt; man bekommt jedeömal ungefähr eine Drachme. Es riecht frisch so stark, daß man Kopsweh davon bekommt.

Tafel X.

Links. Das gewaltige Thier im Vordergrund ist ein Tiger (Felis tigris). Er wird bis 6^/2' lang und ist besonders an den schwarzen Querstriemcn und dem Backenbart, den er vorn angesehen zu haben scheint, kenntlich. Er ist vielleicht das grausamste und blutdürstigste Raubthier, jedoch schneller im Sprung, als im Lauf. Es gibt sogar noch bei Jrkuzk am Lena, allo im Norden von Asien, zuweilen Tiger, ferner in Mittelasien und in großer Anzahl in Ostindien. In Decan