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zu Don Juan. und der als Kunstkritiker so hoch stehende, leider zu früh verstorbene Franz Kugler, welcher in dem von uns schon in der Schlußbemerkung zu Figaro erwähnten Aufsatze, über den ursprünglichen Schluß des Don Juan folgende beachtungs- werthe Bemerkungen macht.

.Ein entschiedener Fehler des Don Juan, in der Dichtung, wie zum Theil in der musikalischen Ausführung, ist der auf unsern Bühnen in der Regel wegfallende Schluß, in welchem, nachdem Don Juan von den Rachedämonen davon getragen ist. die übrigen Personen des Stückes wieder auftreten, von Leporello das Vorgefallene erfahren, ihre gegenseitige Verhältnisie bestimmt ordnen und mit einem Sertett betreffenden Inhalts, in das einem etwas strengen Style gehalten ist, die durch das Vorige tief erregten Ge­fühle beruhigend ausklingen lasten. Nach der höchst ergreifenden Handlung, welche Don Juan's Ende herbeiführte, nach dem tief tragischen Effecte derselben, muß dieß hand­lungslose Thun nothwendig einen abkältenden Eindruck hervorbringew ES kommt hiezu, daß das in diesen Scenen enthaltene Duett zwischen Octavio und Donna Anna, wenn es auch an einer andern Stelle und in einer andern Oper nicht ohne Weiteres zu ver­achten wäre, doch nur von mattem Eindruck ist, doppelt matt, wenn man Donna Anna's charaktervolle Große, ihre so innerlichste sittliche wie geniale Bedeutung, der Genia­lität Don Juan's gegenüber, erwägt, wenn man ihrer letzten, großen Arie gedenkt, die schon wie das Vorgefühl ihrer sittlichen Verklärung in dem Stücke dasteht. Man hat daher das Bedürfniß empfunden, der Oper einen Schluß zu geben, der mit ihrer ganzen tragischen Bedeutung in würdigem Einklänge stände. Nur dürfte dazu freilich kein andrer als Mozart selbst berufen, dürfte kein Machwerk andrer Hand angeflickt sein. Es wurde mir erzählt, Berlioz habe den Gedanken gehabt, aus die gewaltig bewegte Scene, welche das Ende des Helden darstellt, ein Stück aus M o z a r t's R e q ui e m folgen zu lasten; die Scene habe sich in eine Kirche verwandelt, in welcher man den Katafalk des Don Juan stehen gesehen, die brausenden Zorneswvgen des vies irre seien erschallt und hätten so das Stück auf eine wahrhaft majestätische Weise zu Ende geführt. Der Gedanke hat etwas überraschend Jmponirendes, die ergreifende musikalische Pracht, die er zum AuSklingen der Oper in Anspruch genommen, mußte in der That von großer Wirkung fein. Bei näherer Betrachtung will er mir indeß doch nicht ganz stichhaltig erscheinen. Schon in seinem Grundmotive nicht. Eine kirchliche Todtenfcier für Don Juan, für den der Holle bereits Verfallenen, die hier doch immer, abgesehen von dem näheren Inhalte des Gesanges, das Gegebene ist, scheint nicht sonderlich am Platz. Dann ist das vies irse an eigentlichem Inhalt und an künstlerischer Ausführung doch nur eine Wiederholung deffen, waS die vorangegangene Scene im engern dramatischen Rahmen schon angedeutet hatte, gibt gerade dies Musikstück, für sich allein genommen, auch nicht das, was wir hier vorzugsweise bedürfen den künstlerischen Ruhegesang.

Von einer solchen Ausfaffung ausgehend habe ich geglaubt, der Berlioz'schen Idee, die mir an sich, in der Herbeiführung des Schluffes durch ein Stück deS Mozart'schen Requiems, so durchaus glücklich erschien, eine andre Wendung geben zu dürsen. Die Darstellung einer Leichenfeier war die naturgemäße Veranlaffung zur Aussührung eines derartigen Musikstückes; nur darf eS keine Feier für Don Juan sein: wohl aber scheint es mir völlig paffend und im Einklänge mit dem ganzen Inhalt deS Stückes, eine kirchliche Gedächtnißseier für den Comthur vorauszusetzen. Aber diese Schlußscene (so völlig kurz ich sie mir in der Ausführung denke) darf zugleich nicht