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Vorsicht nicht gefallen, meiner Schwachheit,diese Stütze zu schen­ken. Ohne theilnehmenden Freund, ohne Bücher, ohne äußerliche Hülfsmittel mußre ich meinen ungebahnten Pfad suchenund so erscheinet mein Schriftgen, mehr wie eine unzeitiqe Geburt, als eine zur gehörigen Reife gebrachte Frucht. Das Manuskript war eigentlich ganz und allein für Sie bestimmt.Von Ihrem Urtheil sollte abgehangen haben, ob das Kind das Tageslicht sehen sollte oder nicht. Sollten Siebes deö Lichtes würdig geachtet haben, so wußte ich, daß niemand tüchtiger gewesen wäre, eS auf den Leuch­ter zu stellen, als eben Sie. Itzt aber empfangen Sie es schon im Druck, und nicht in der Handschrift. Nämlich bey diesen kritischen Zeiten wußte ich keinen andern Weg einzuschlagen, es durch die erste, oder eine zweyte, oder dritte Uebersendung Ihnen, so ferne Sie noch leben, sicher zur Hand zu bringen. Gin einzelnes Ma­nuskript schien mir zu viel Gefahr auögesetzt, und möchte, gar zu leicht zu Wasser oder zu Land verunglückt seyn. So entschloß ich mich, auf meine Kosten e6 drucken zu lassen; denn Bücherver-- lag ist hier ein wenig bekannter Gewerb. Noch muß ich Ihnen eini­ge Auskunft geben, wie ich zu diesen Gedanken gekommen bin, wel­che ich hier niederschreibe und die anmit im Druck erscheinen.

Schon in Europa, und seitdem ich hierzu Lande wohne, beobach­tete ich vielfältig die bitteren Früchte deö religiösen PartheygeisteS. Europa betreffend ist bekannt, wiö oft und tibf unachter Religi- onSeifer das Erdreich mit Menschenblut getränket, und insbeson­dereDeutschen Boden. Die Reichsfriedensschlüsse, die auf den langwierigen Religionskrieg folgten, konnten es nicht verhindern, daß nicht die Getrennte, obwolen unter einem Schein von äußerli­chem Frieden vereinigte Partheyen, einander biö auf den heutigen Tag mit scheelen Augen ansehen, einander anfeinden, und auf man­cherlei) Art in Wirklichkeit verfolgen. Ja diese Friedensschlüsse ha­ben die religiöse Erbitterung so zu sagen versiegelt Und verewiget, und jeder Parchev wie ein festgesetztes Recht gegeben der anderen zu trotzen, wovon Unliebe, heimlicher beständiger Haß, und oft­malige ausbrechende Miöhandlungen die nur allzuoft zum Vorschein kommende Folgen sind.

Hier zu Lande aber insbesondere, mitten in dem Busen wahrer politischer Freyheic, muß man doch noch beständig und aller Orten die bösen Wirkungen religiöser Trennungen, und deö dummen herrsch- süchrigen PartheygeisteS häufig gewahr nehmen. ES ist da nichts seltenes in manchen Gegenden, in manchen kleineren und absonder­lich grösseren Städten Menschen von allerley Partheyen, und unter allerley kirchlichen Nämen, unter einander wohnend anzutreffen, zwar unter dem Band politischer Freyheit, und einerley Regierung und Verfassung vereiniget, jedoch im Religiösen, sich so weit sie nur können, von einander getrennet haltend, einander mit scheelen Au­gen ansehend, und jede Parthey nur auf ihr eigen Interesse bedacht, und voll bösen Willens gegen jede andere, so daß jede die andere gerne unterdrücken, ja gerne vom Erdeboden vertilgen, und für sich allein herrschen würde, wenn sie nur die Macht, und das Vermögen