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hiezu hatte. Inzwischen sind es lauter Christen, die so beysammen wohnen; und doch können sie keine christliche Gemeinschaft mir ein» ander haben. Jede Parthey muß ihre eigene Kirche, ihren eigenen Prediger, ihre eigene Manieren und Einrichtungen, ja auch ihren eigenen Kirchhof und Begräbnißplatz haben, indem sie sich nicht einmal bequemen können, als daß todte Körper in einem Erdreich ohne Zwischenwand neben einander liegen. So sieht es wenigst in dem Theil unserer Nordamerikanischen Freystaaten aus, mit dem ich naher bekannt zu werden Gelegenheit hatte. Ja, wäre das Ungeheuer, der unächte Religionöeifer, dieser Vater des Partheygeistes nicht mit starken Banden einer wohl eingerichteten politischen Regierung gefesselt, er würde noch so arg würhen als jemal. Sein Durst nach Menschenblut ist noch bis jetzo nichts weniger als gesattiget.
Ist das nun nicht ein rechtes Babel? So stieg dieser Gedanke in Betrachtung dieser wahren Lage der Sachen, wie oben geschildert, in meinem Gemüth auf; vielleicht zum öfteren, und bey allerley Anlässen—einsmal aber war ich wie genöchiget, und dahin gerissen, diesem Gedanken weiter nachzuspüren. Ist dieser Ausdruck nicht zu hart? Ist deine Vvrstellungöart nicht zu lieblos? Ist e6 nicht et- wan deine eigene hypochondrische Schwermuth, die dir die gegenwärtige Lage deö Christenthums als ein Babel vormahlet? Dies waren meine weitere Ueberlegungen; und diese wie Beschuldigungen in mir aufsteigende Gedanken nöthigten mich gleichsam der Sache weiter nachzudenken. Je mehr ich aber nachdachte, je mehr, fand ich Aehnlichkeit, wirkliche, wahre, starke Aehnlichkeit zwischen dem ehemaligen leiblichen und diesem gegenwärtigen geistlichen Babel. So ward ich je mehr und mehr darinne bekräftiget, daß dieser zerrüttete Religionszustand kein wahres Christenthum, sondern ein bloser Schein von Christenthum, ein bloseS Namenchristenthum fey, und daß dieses Namenchristenthum in Wirklichkeit ein wahres Babel fey.
So fiel mir nun jetzt das Babel der Offenbarung ein, und riß mich dahin, die Sache von dieser Seite zu betrachten. Je mehr ich sie aber betrachtete, je mehr schienen mir die Schuppen von den Augen zu fallen. Mich dünkte, ich sähe Heller und Heller, daß eben dieses falsche Namenchristenthum dieses in der Offenbarung aufgeführte Babel sey.
Wie ist aber das Christenthum so zu einem Babel geworden? war meine weitere Ueberlegung, und da schien es mir, als hörte ich die grüblerische Schriftforscher, und ihre Zänkereyen, indem sie alle Kopfwissenschaft jagten, und darunter das wahre Wesen der Religion, die Gottseligkeit in der Liebe, welche der Endzweck des Gesetzes, und das dem Christen eigentlich vorgesteckte Ziel ist, nach dem er wettrennet, vernachläßigten.
Endlich sabe ich die hochweisen, und von Selbstweisheit hoch aufgeblasenen Kirchenprälaten sich im Tempel Gottes niedersetzen, und über diese hoch angewachsene religiöse Streitigkeiten ihre Machtsprüche zu geben, die sie für göttliche Orakel erklärten, und sie als

