daß er durch einiges Versprechen gebunden wäre, unseren unwer- sen, vor Gottes Augen vielleicht sündhaften und strafbaren Für­witz zu befriedigen, und alle derlei) fürwitzige Fragen, die es uns etwan gelüsten möchte, aufzuwerfen, durch Aussprüche seines heiligen Geistes zu beantworten. Den allgemeinen VerhaltungS- wegen Gottes gemäß, würde ich vielmehr erwarten, daß uns Gort zu gerechter Beschämung und Bestrafung unseres zu weit gehenden, aus Hochmuth und Eitelkeit herstammenden Fürwitzeö, einem Irr­geist preis geben möchte. Wer weiß, wie viele von derley Irr­wischen sich in Pfützen und Sümpfen herum irre führen liessen zum grossen Nachrheil ihrer Seelen, indem sie in diesen viel zu weit getriebenen Gaukeleyen immer dem Licht des sie erleuchtenden hei­ligen Geistes zufolge vermeynten!

Allein das alles macht nur den Katholiken desto mehr Muth ih­ren Handel für den besten zu halten, und sich mir ihrer Unfehl­barkeit ihrer Kirche, unbedingt und unbeschränkt, wie sie sich die­selbe vorstellen, am besten gegründet zu glauben, und desto zuver­sichtlicher sich hierauf zu verlassen. Ihr grober Jrrthum ist aber schon oft und vollständig genug widerlegt worden. Man solte denken, sie solten wirklich bey dieser Zeit wohl sehen können, wenn sie zu sehen verlangten. In eine weitläuftige Erklärung dieser Sache mich einzulassen, entspricht der gegenwärtigen Absicht nicht. Und ohne dem zweifele ich sehr, ob je ein Katholik sich würdigen, oder ihre Mierhlingshirten es ihm erlauben werden, diese meine geringe Schreiberey mit Aufmerksamkeit zu durchgehen. Doch will ich ein paar Anmerkungen über ihre Kirchenunfehlbarkeit nieder- schrciben, ob es je einige Seele zu ernsthafterem Nachdenken brin­gen möchte.

Wenn der Herr seiner Kirche eine solche Gabe der Unfehlbarkeit mitgetheilt hätre, und es wirklich denn offenbar wäre, welche von den verschiedenen anspruchmachenden Kirchen seine wahre Kirche sey; >a gesetzt die römischkatholische Kirche wäre allgemein als die wahre Kirche anerkannt, welches doch, wie jederman weiß, der Fall nicht ist, noch seyn wird; so würde diese Gabe der Unfehlbarkeit, welche da vorgegeben wird, doch noch von keinem Nutzen seyn, es sey denn, es wäre ebenfalls aufs deutlichste von dem Herrn bestimmt, wann und wie, von wem, und in wie weit diese Gabe in seiner Kirche besessen und geübt werben solte, und wann und wo sie nicht Platz finden würde. Die Natur der Sache hatte es erfordert, und es wäre gewiß von der Weisheit des Herrn zu erwarten gewesen, «daß er in Betreff dieser Wundergabe alle diese Umstände aufs deutlich­ste bestimmt, ruchrs in der Ungewißheit schwebend gelassen härre; denn sonst würde diese Einrichtung ihrem Zweck nicht entsprechen. ES wäre seiner Kirche nicht damit gedient gewesen, und wir müß­ten immer, wie vorher, in Rücksicht solcher Aussprüche, welche so gegeben werden würden, im Zweifel stehen, ob sie als unter dem Gebrauch dieser Unfehlbarkeit gegeben anzusehen seyen oder nicht'