<§-s müßte also der Herr deutlich bestimmt haben i i. Auf welcher Person oder Personen in der Kirche diese Un-4 ^ehlbarkeit hafte; ob auf allen Mitgliedern der Kirche ohne Aus­nahme, oder nur auf einigen, etwan den ehrenhaftem Gliedern ausschließlich und allein. Wenn dies leztere der Fall seyn solte- so würde es abermal eine Frage seyn, ^auf welchen denn eigent­lich diese Gabe beruhe, ob auf den FrömMern und Gottftligern allein, als welche man vermuthen mochte, sie als in näherem Um­gang mit Gott stehend, wären die geschicktesten Organe, durch wel­che der heilige Geist reden möchte. Da würde es aber die größtS Schwierigkeit seyn zu entscheiden, welche Personen eigentlich von Len jetzt lebenden in einem solchen Grad von Gottseligkeit und vertraulichen Umgangs mit Gott wirklich stehen, daß sie sich solcher! Unfehlbarkeit zu erfreuen haben solten, und welche nicht. Wenw aber auf besondere Frömmigkeit keine Rücksicht zu nehmen ist, und wie denn, obwolen der Schrift entgegen, zugeben wolten, dass Der heilige Geist eben sowohl in eine boshafte Seele eingehe, und Durch sie unfehlbare Aussprüche gebe, als durch eine gottselige Seele * wenn es weiter ausgemacht wäre daß diese Unfehlbarkeitsgabe auf gewissen Aemtern in der Kirche hafre, ohne einige Rücksicht aus Die persönliche Würdigkeit oder Unfähigkeit, Frömmigkeit oder La­sterhaftigkeit solcher, welche diese AeMter führen, so müßte es ick Doch eben so deutlich bestimmt seyn, auf welchem Amt oder Aem­tern solche Gabe eigentlich hafte, ob auf der gesammten Geist­lichkeit überhaupt, ob auf der höhern Geistlichkeit mit Ausschluß Der niedigern, ob etwan auf der Person eines einzigen, und daB «twan des römischen Pabstes als des sichtbaren Oberhaupts der Kirche, und so sich nennenden Statthalters Christi auf Erden. Alles Das ist in der Ungewißheit gelassen, und unter den Katholiken selbst nicht ausgemacht, indem viele, absonderlich die italiänische Lehrer diese Gabe der Unfehlbarkeit ausschließlich dem Pabst zu- schreiben, so daß einiger Kirchenschluß erst dann als ein rechtmäßi­ger und unfehlbarer Kirchenschluß anzuschen ist, wenn der Pabst. rhm beytritt, und ihn als einen solchen erkläret, was sie heissen ex cathedra, vom Stuhl Petri herab auöspricht. Diese Lehre wart ehedem die gemeinere, heut zu Tag aber schreiben die mehreste ihrer! Lehrer diese Gabe der Unfehlbarkeit den Bischöfen zu, und betrach­ten sie als dem bischöflichen Amt anklebend. Der Bischof hiemit, wenn er noch so unwissend ist, so daß er seinen eigenen Namen weder schreiben noch lesen kann, wie wir denn derley in den Mit­telzeiten viele hatten, wenn er ein noch so schlechter Christ, oder noch so grosser Unchrist, ja wenn er ein Gottesleugner und wirkli­cher Christusfeind ist, so hat er doch sein Scherflein von Unfehlbar­keit, und wenn er mit seinen vielleicht ähnlichen Brüdern Zusam­mentritt, so können sie unö über Glaubensstreitigkeiten unfehlbar^ Aussprüche geben, und wir müssen sie als Aussprüche des heiligen. Geistes annehmen, eben als ob wir sie aus dem Mund Gottes sech­sten gehört hätten; eben als ob wir alle um den Berg Sinai her stünden, und diese Götter sprechen herab aus den Wolken unM

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