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Wohnung gewählet, mit rauhen, ungegerbten ThierrSfellen zu, 2 Mos. 26,7. Da kann Gedächtnisschwäche, Urtheilsblödigkeit, zu viel oder zu wenig Phantasieschwung, und allerley aus derley Man­geln herrührende Gebrechlichkeiten und Verirrungen, die dem Auge des WeltlingS verdächtig, anstößig, ja sündhaft Vorkommen, auch bey einer solchen Seele noch statt haben, ja einige menschliche Ge­brechlichkeit kann da noch Platz finden; nur kein williges Widerstre­ben gegen Gottes Willen und Gebote findet nicht in ihr statt; wo es aber statt fände, so ist sie eben dadurch von der Gnade gefallen.

So viel fand ich nöthig von dem Gnadenwerk, daö Gott in den Herzen der Menschen treibet, und daö ganz dem Sohn als sein eigen durch seinen Geifi immer fort zutreibendes Werk übergeben ist, hier anzuführen, damit man desto besser das wahre Wesen des Christen­thums verstehen, und solches von einem leeren Maul- Schein- und blos äusserlichen Ceremonien Christenthum zu unterscheiden im Stande fep. Es bleibet aber immer doch noch so, daß der fleisch­liche und irrdifche Mensch die Dinge nicht verstehen kann, die des Geistes Gottes sind, und da weiß ich weiter keinen Rath, als bete zu Gott, daß er ein Licht in der Dunkelheit wolle aufgehen lassen, und dich so führen, daß du auf einem Weg oder dem andern zurErkennt- niß aller heilsamen Wahrheit gebracht werden mögest.

So ergiebt sich denn aus dem obigen, daß es mit der Religion Jesu nicht darauf abgesehen ist unseren Verstand mit grossen Kennt­nissen und Wissenschaft zu bereichern, sondern unseren Willen un­ter den Gehorsam des Glaubens zu beugen. Diese Religion soll uns nicht zu Gelehrten,^ nicht einmal zu Gottesgelehrten, son­dern zu heiligen, zu demüthigen Gottesverehrern, zu Anbetern im Geist und in der Wahrheit machen. Das Christenrhum ist ein recht­schaffenes innerliches Wesen, ja eine wahre Gotteskrast zur Heili­gung unserer Seelen, und zur Tüchtigmachung derselben für die Gemeinschaft mit einem heiligen und reinen Gott, für welche wie geschaffen sind, und so ist Heiligkeit der grosse Zweck unseres Be­rufs, damit wir aus Gnade berufen sind.

Da hat es sich nun so ergeben, daß fleischlich gesinnte Menschen diese Sache mißverstanden, das Christenthum in einen äusserlichen fr Ceremoniendienst verwandelt, und statt der Heiligung des Herzens nach Aopfwiffenschaft gestrebet, in Dinge eindringend, die ausser des Menschen Gesichtskreis liegen, in ihrem fleischlich aufgeblasenen Sinne sich hoher Dinge anmassend, Coloss. 2, 18. haben sie sich in ihrer Verblendung weit von dem rechten Weg verirret, und die Hofnung ihres ewigen Heils auf ihre Anhänglichkeit an Lehrsysteme, welche sie Rechtglaubigkeit hiessen, vorzüglich gebauet. Dadurch ist ein falsches Scheinchristenthum entstanden, welches um ihm den bescheidensten Titel zu geben, nicht besser als mit dem Wort Na­menchristenthum bezeichnet werden kann. Dies Namenchristen­thum hat nicht nur hie und da einzelne Seelen angesteckr, sondern es bat in kurzem allgemein die Oberhand bekommen, und so ist eine falsche Namenkirche Christi entstanden, die sich zwar immer nach dem Namen Christi nennete, und für seine Braut auSgab, da sie doch

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