Kapitel 2 und 3.

Auslegung.

Vorläufige Anmerkungen.

Da diese Offenbarung von allgemeinem Nutzen ist für die ge-r fammte Kirche Christi, aller Zeiten, und nach jedem Briefe überdaS eine ausdrückliche Aufforderung zur Aufmerksamkeit an alle er­gehet, die irgend ein Ohr zu hören haben, so zweifle ich nicht, e6 seyen hier sinnbildlich Begebenheiten verborgen, und prophetisch vorgesagt, welche die^ ganze Kirche Christi aller Zeiten betreffen. Wenn dies nicht so wäre, so hätte dieser ganze Theil der Erscheinung keine schickliche Proportion noch Zusammenhang mit dem übrigen; und es würde schwer zu sagen seyn, warum just diese sieben Klein- asiatische, zum Theil nicht sehr beträchtliche Kirchen so ganz beson­ders bedacht, und viel ansehnlichere Kirchen, alü die zu Jerusa- lem und Antiochia, übergangen seyn worden.

Die Schicklichkeit der Sache aber ist in äniqmatischen Auslegungen der einzige Leitfaden. Für strengere Beweise können wir der Natur der Sache nach uns nicht umsehen.

Ist nun die Sache so, so wird vermuthlich in dem besondern Na­men dieser sieben Kirchen ein gewisser Bezug auf das, was sie sinn­bildlich vorstellen, sich finden. In der besondern damaligen Lage dieser sieben besondern asiatischen Kirchen, wird wohl auch einige Ähnlichkeit mit dem, was sie abbilden solten, gelegen seyn. Da uns aber diese örtliche Umstande wenig bekannt sind, so können sie uns zu keinem weitern Licht dienen, und wir müssen uns mit den blossen Namen begnügen, und eine Worrherleicung so gut wir kön­nen, versuchen. Ich bediente mich hiebey Lcbrevel^ I,ex!con.

Afia. Asien, so viel als kothig, trübe. Indem diese sieben Kir­chen die Kirche Christ! durch ihre sieben auf einander folgende Zeit­perioden in dem Stand ihrer Unvollkommenheit vorstellen, durch welche sie zu dem Stand ihrer Vollkommenheit hinansteiget, und solchen endlich in dem neuen Jerusalem erreichet.

AU diese Zeit hindurch ist ihre Lehre und Crkenntniß nicht voll­kommen Helle, sondern mehr oder weniger getrübet, mit menschli­chen Unreinigkeiten vermischt, und so ist der Wandel und ihre Gott­seligkeit nicht lauter, noch vollkommen.

Die sieben Kirchenperioden zeichnen sich jede von verändern durch einen besondern Eharacter aus. Jede hat ihr eigenes, das in dem Namen, wie mit einem einzigen Pinselzug vom Geist Gottes ge­schildert, deutlich dargestellet wird.

iipheius. C p h e su s. Ich leite es her von dem Aori8tu8 8ecunäu8 indicativ. Epesa, des Wortes pipto, ich falle; durch die in Jonischer Mundart nicht ungewöhnliche Verwandlung des harschen (p) in das sanftere (ph)- So viel als eine bereits fallende, oder dem sanfteren (ph) noch eigentlicher entsprechend, eine allmählich fallende, oder sinkende Kirche ausdrückend. Auf diesen Gedanken haben mich K. 14, 8. K. 18, 2. geleitet.

Dieser.erste' Zeitraum dürfte so das apostolische Zeitalter begreifen, etwa» das erste Jahrhundert.