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Die erste Posaune. 71
jum nämlichen Zweck dieser Erdenkirche etwas vom göttlichem Leben, Liebe, Eifer, und Gottseligkeit einverleibt, von Zeit zu Zeit mitgetheilt werden, dadurch immer etwas göttliches Licht, und Leben vorhanden ftyn wird,- wie eö Antichrist auch angreifen mag.
Diese göttlichen Gnadenausgüsse werden Erderschüttterungen, politische nämlich und religiöse, Donner und Blitzen, und Stimmen veranlassen. Die Stimmen mögen gnädige Zurufe, und Gna- dentröstungen, die Donner Gerichtsverkündigungen ftyn, und die Blitzen werden Helle durch die Finsterniß hin leuchten, aber ihr Schimmer ist fürübergehend.^
Jetzt stehen die Engel gerüstet zum blasen, und unter göttlicher Zulassung blasen sie ihre Posaunen. Die sechs ersten sind ganz und gar auf Antichrists Seite. Der siebente bringt die Sache zum. wirklichen Kampf zwischen dem Geheimniß der Bosheit, und dem Geheimniß Gotces. Doch das letzte behält den Sieg.
Auf das blasen der ersten Posaune fällt Hagel mit Feuer und Blut vermischt.
Im natürlichen, wenn bey einer schwülig warmen Luft sich plötzlich ein kalter Sturmwind erhebet, und in die Wolken blaset, so geschieht es ofrmal, daß sie anstatt die Erde mit einem erquickenden sanften Regen zu erfrischen, sich in einem Hagelsturm aueleeren, da- bey die verheerende Schlossen mit einem greulichen Geräusch herabprasseln, und alles Gras und zarte Pflanzen verheeren, und auch die stärkeren Bäume mehr oder weniger beschädigen.
Das Wort Gottes ist die Weide der Schaafe Jesu Christi, und kann in so weit das grüne Gras heissen. Gesunde Auslegung, und heilsame Lehre überhaupt, die zur Gottseligkeit förderlich ist, ist wie der sanfte Regen, wie der Thau des Himmels, darunter die gute Weide recht fette wächßt, und wohl gedeihet, 5 Mos. 32, 2. Wenn Paulus so pflanzet, und Apollos so wässert, 1 Cor. Z, 6 . so -giebt Gott sein Gedeihen dazu, und die Schaafe Christi gehen auf gl'ter Weide, Ps. 23. Joh. 10, 9.
Da aber Antichrist seinen Sturm von allen Seiten her gegen die Kirche zu erheben anfieng, K 7, 1. Die Liebe erkaltete,^ K. 2, 4. Math. 24, 12. und aufgeblasene Lehrer, und Grübelköpfe nicht mehr mit der Evangeliumseinfalt sich begnügen konnten, und mit
t . solcher gesunden Lehre, die zur Auferbauung in der Gottseligkeit dienlich war, sondern in Raisoniren, Philosophiren, und Fabeln hinein giengen und eine Menge fürwitzige Fragen über die Tiefen der Gottheit an den Tag brachten, die sie nach ihren grillenhaften Einfällen mit Verdrehung und schiefen Anwendung des Worts Gottes so oder so beantworteten, und diesen Geschmack für Grü- beleyen der Kirche im allgemeinen mictheilten, und so die Seelen vom inneren wahren göttlichen Leben der Gottseligkeit heraus zu Kopfreligion und Ceremoniendienst leiteten, da fand die Heerde Christi nicht mehr ihre gure Weide in dem Wort Gottes. Das grüne Graö ward wie vom Hagel versenget. Denn statt in gesunder Schriftauslegung der sanften Erquickunsregen auf die Seelen her- abzuttguftln^ prasselst itzt der kalte Hagel von d.en Lippen der lieb-

