74 Rap. 8. V. 12. Rap. 9. V. 3.

feiner Apostel so schnurstracks entgegen gesetzt ist, 2 Tim. 2, 24. LZ', und so bittere Früchten in ihrer Ausübung hervorgebracht hat.

Dadurch ist die Glaubenslehre manchem so bitter geworden, daß eS ihn sein Leben gekostet, weil er sie nicht trinken konnte, weil er von Babels Kelch nicht Bescheid thun wolte. Denen aber, die da­von getrunken, hat es vielfältig ihr geistliches Leben gekostet, indem sie mit Geringschätzung und Vernachläßigung wahrer Gottseligkeit ihr Vertrauen alifoderst auf ihre Rechtglaubigkeit setzten.

Ein grosser Theil der Lehrer und Vorsteher der Kirche sielen Au­gustin in dieser Lehre bey. Dadurch wurden die Flüsse und Quel­len, von deren Ausfluß die Kirche gewässert wurde, verbittert, so wie das RsligionSwesen selbst durch Beymischung dieses bittern Ingre- dientS, überhaupt die Wasser, verbittert wurden. Religionödispute gaben immer Anlaß zu gegenseitiger Verfolgung, und halten die Nationen bis auf diesen Tag in einem verbitterten Sinn von ein­ander.

Siebente Scene. Der vierte Engel posaunet, K. 8, ir.

Sonne, Mond und Sterne werden zum dritten Theil geschla­gen, und verfinstert.

Tag und Nacht zum dritten Theil werden ungewöhnlich dunkel. Auslegung.

Das sind wohl im Sinnbild die finsteren Zeiten des Mittel­alters, da Unwissenheit, und Aberglauben allgemein ihre Herr­schaft auf Erde hatten.

Die grösseren und kleineren Lichter der Welt waren so allgemein verdunkelt, daß viele ganz keinen Lichtschein von sich gaben, indes­sen immer einige noch, doch bloö mit einem falschen Schein schim- merren. Der Tag selbst ward so grossentheilö Dunkelheit, und eS war eine rechte Egyptifche Nacht, da man die Finsterniß mit Hän­den greifen konnte.

Wer bloö schreiben und lesen konnte, hieß da ein Gelehrter. Die Layen vernachläßigren den Gemütheanbau ganz und gar. ES galt nichts als Jagen und Kriegen. Die Fürsten tyrannisirten von der Pfaffheit unterstützt, und die Pfaffen fthmauseten mit Iezabel von den Götzenopfern. Die Bischöfe selbst waren oft nicht einmal im Stand ihren Namen zu unterschreiben.^

Das waren aber recht die gute Zeiten für die fleischliche Namen­kirche. Der Aberglaube hatte sein volles Spiel, und Babels Kauf­leute hatten guten Verkehr. Alle Greuel der Erde, deren Babel beschuldiget wird, überschwemmten in dieser Zeit die Kirche; fiengen <m, oder stiegen zu ihrer Höhe; Bilderverehrung, durch Mirakel be­rühmte Wallfahrtplatze, und Pilgerschaft, das Fegfeuer mit all sei­nem einträglichen Anhängsel, Kirchenvermächtnisse, die Kreutzzügo nach dem heiligen Lande, das Gewerb des Beichtstuhls, der Reli­quien und Ablaßkram, das^ Teufelbeschwören und He^enbannen, und manche andere feine Stückchen hatten da ihre Periode.