daß f?e sich cm dieser Sitte solten gestoßen haben, fanden dieselbe vielmehr mit ihren eigenen Sitten und Gewohnheiten übereinstim­mend. Ob daö Iudenthum wohl manche den Heiden anstößige Son- derlichkeiten hatte, so waren sie doch in dieser Sitte, dem Alter eine besondere Hochachtung einzugestehen, mit Israel einig, und so ward diese Sitte vielmehr ein Pereinigungömittel zwischen beyderley, de­nen aus dem Iudenthum, und denen aus dem Heidenthum bekehr­ten Christen, als daß sie irgend ein Stein des Anstoßes solte gewe­sen seyn.

Die Sache auch für sich unpartheyisch und mit unbefangenem Auge betrachtet, wurde man nicht wohl anderst, als solche Sitte gut heis­sen können; denn sie ist in der Natur der Sache gegründet. Ist irgend etwas, das einen Menschen klug machen kann, so ist gewiß eine vieljährige Erfahrung ein guter Lehrmeister. Was immer der Junge für Verstandeögaben haben mag, so ist er doch immer aus Mangel von Erfahrung geneigt unvorsichtige und übereilte Schritte zu thun. Die Erfahrung lehret Vorsicht und Behutsamkeit. Und ist irgend etwas das unsere Achtung verdienet, und uns ein Recht giebt, Gutes von einem Menschen zu erwarten, so ist es ein vierjäh­riger, erprobter, und unter allerley Proben standhaft erwiesener Tugendsinn und Tugendwandel. Wir haben alle Ursache, solch einen Mann für köstlich zu schätzen, ja köstlicher als selbst das Gold von Ophir.- Beynebens kann die lange Erfahrung, und wie sich hoffen ließ, die hiedurch erworbene bessere Kenntnisse, und tiefere Einsichten der Alten der Gemeine nicht anderst zu Nutzen kommen, als wenn sie dem Wort der Aeltesten eine besondere Achtung wider­fahren lasset, und so in allen Vorfallenheiten ihren Rath allfoderst höret.

Diese Sitten denn solten nicht verlassen, noch geändert werden, oder worden seyn. Die Aeltesten, versteht sich, die unter erprob­tem Tugendwandel, und weisem, christlichen Betragen alr gewor­den sind, sollen in der christlichen Kirche ihrer Ehre geniesten, und einen schicklichen Wirkungskreis haben. Sie sollen in den Stand gesetzt werden, durch ihre erworbene Weisheit, und überwiegendes gutes Beyspiel kräftig in die Kirche einzuwirken, und zur Aufrecht­haltung und Erbauung der Kirche sowohl im allgemeinen, als jedes Mitgliedes insbesondere, daö ihrige beyzutragen. Sie bilden also den ehrwürdigen Rath der Kirche, und sind bey allen vorfallenden Gelegenheiten auch von Bischof und Diakon zu Rath zu ziehen, und daö nicht bloö zum Schein, sondern es muß ihrem Wort und Rath ein wirkliches Gewicht beygelegt werden. So werden sie ebenfalls von Bischof und Diakon in Ausführung solcher Dinge, als da als auszuführen für gut, oder nothwendig erkannt werden, zu Hülfe gezogen; zum Beyspiel, nach ihrer örtlichen Lage mag ihnen be­stimmt über eine gewisse Anzahl der Gläubigen besondere Aufsicht übergerragen werden. Sie sind die geschicktesten Lehrer junge Ehe­leute zu unterrichten, und zu gucen christlichen Sitten anzuweisen tm* anzugewöhnen, in dieser Absicht sie selbsten öfters in ihren Hau­sern zu besuchen. So können sie ebenfalls auf ähnliche Art in Zu-