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len ausserordentlich schwer ist, beim sogenannten Schlagflusse zu entscheiden, ob es nach dem gewöhnlichen Ausdrucke ein Blut­schlag oder ein Nervenschlag ist. Nun ist es eine ausgemachte Wahrheit, daß beim sogenannten Nervenschlag der geringste Ader­laß absolut tödtlich ist; es ist nach dem Aderlaß gar nicht mehr möglich, den Kranken zu retten, ja der Tod wird offenbar dadurch sehr beschleunigt. Kein wirklich gebildeter Arzt wird diesem Satze widersprechen können. Im sogenannten Blutschlag hingegen halt man den Aderlaß für das einzige Mittel! Daher sagt einer der berühmtesten Aerzte der neueren Zeit noch in seinem, letztes Jahr erschienenen Werke:Es kommt Leben und Tod des Kran­ken darauf an, daß man unterscheide, ob Blutschlag oder Nerven­schlag vorhanden ist," und nachdem er die Unterschiede sorgfältig angegeben hat, fährt er fort:man sieht wie schwankend das al­les ist, und ebenso: (der Arzt) kommt gar nicht auf den Gedan­ken, daß sie an Nervenschlag leiden könnten, behandelt sie als an Blutschlag leidend, und nichts ist gewisser als der Tod durch solche Mißgriffe.*

Der Aderlaß wird auf gleiche Weise für unentbehrlich erachtet bei den Lungenentzündungen. Trotz dem, daß Tausende jährlich diesem Wahne geopfert werden, behauptet man immer noch dassel­be nnd ist frech genug, wenn eine wirkliche heftige Lungenentzün­dung ohne Aderlaß geheilt wird, wie doch nun alle Tage geschieht, entweder abzustreiten, es wäre keine gewesen oder gar zu lügen, der Kranke müsse dann den Blutsturz gehabt haben. Man bedenkt nicht bei dieser Lüge, daß ja beim Blutsturz auch der Aderlaß als das beste Mittel würde angewendet worden sein. Selbst wo das Blut schon in Strömen fließt, kennt die alte Methode kein besseres Mit­tel, alsnoch mehr Blut abzuzapfen. Am 31ften December 1829 starb der Ober-Medizinalrath und Professor an der Universität zu München, Dr. Ernst von Großi, eine Zierde und Stütze der Universität, ein edler Mann, ein berühmter Arzt, allgemein ge­achtet und geliebt. Die besten Aerzte Münchens hatten ihn be­handelt, alle waren einig, er leide an Lungenentzündung, inner­halb fünf Tagen zapfte man neun und neunzig Unzen Blut und setzte noch 24 Blutegel obendrein. Den letzten Tag verbat sich

* Dr. Carl Georg Neumann, Spezielle Pathologie und Therapie. Berlin 1834. 4. Band, Seite 757,758,755.