welches sich alles übrige Erfahren wie in seinen Mittelpunkt einsenkte, und von hier aus seine Strahlen warf. Es zeugt von aufopfernder Hingabe und Geduld, Anfängern bei unbehülflichen, matten Lehrlingsstücken vom Standpunkt des hochgebildeten Kenners aus freiwillig Gehör zu geben. Ich selbst pflegte einmal einem Musen-Jünger dieses Schlages den Namen „lUnnb- treidili-z" scherzhaft Leizulegen. I. Horner bewies an mir diese Geduld. Eine Frühlings k a n t a t e aus jenem Zeitraum, der Aufschrift „Gesang" allerdings unwerth, setzte Nägeli zur Benutzung für ein Conzert in Musik.
In Heidelberg war mir, mehr als Voß, die Menge neuer Eindrücke günstig; ich erinnere an die Sammlung der Gebrüder Boiffere, an die Maler Wintergerst und den früh verstorbenen Karl Fohr, meine Freunde. Den dadurch reger gewordenen Sinn mußten Tiek's Minnelieder, und sein befremdlich schöner Kaiser Octa- vian, des Knaben Wunderhorn u. s. w. doppelt ansprechen, und von hier aus schritt ich bald freudigen Drängens zunächst zu den Nibelungen, zum Lohen- grin, zum Lobgesaug des heiligen Anno, zum Leben Maria's über, welches Letztere ich handschriftlich aus der öffentlichen Bücherei geliehen erlangte. So Alter- thümlich-Handschriftliches wirkt auf das Auge gleichsam mit Zauberkraft. Selbst zu einer eigenen Samm-

