Schöne Regeln eines christlichen Lebens. 181

mn ist, das beweiset die angethane Schmach. Ist Sanftmuth und De- muth bey dir, so wirst du alle Verachtung mit Sanftmuth überwinden. 1. Za du wirst es für eine Züchtigung des Allmächtigen halten, wie Da­vid sprach, als ihn Simei lästerte: vielleicht hat es ihn der Herr ge­heißen : Fluche David, 2 Sam. 16, 10. 2. So ist die Verachtung ein großes Stück der Schmach Christi, welche die wahren Glieder Christi auch tragen müssen, wie Ebr. 13, 13. stehet: Lasset uns zu ihm hin­aus gehen, und feine Schmach tragen. Sehet, mit was sanstmüthi- gem Herzen hat Christus seine Schmach getragen? Um seines geduldigen Herzens willen sollen wir auch unsere Schmach tragen mit Sanftmuth. Sprich nicht: Ach, sollte ich das von dem Kerl leiden? rc. Ach, um der Sanftmuth und des geduldigen Herzens Christi willen sollst du es leiden. 3. So ist Gott so gütig und getreu, daß er für eine unverschuldete Lä­sterung vielmehr Ehre und Gnade giebt. Wie König David es für ein gewisses Zeichen hielte, daß ihn Gott bald wieder ehren würde, für die Lästerung Simei, wie auch geschähe. Denn er sprach: Gott lasset es geschehen, auf daß er mir wieder Gutes vergelte für fein Schelten, 2 Sam. 16, 12. Darum soll dich das nicht betrüben, was die Menschen von dir reden, sondern du sollst dich freuen, daß über den Verachteten und Verschmäheten der Geist der Herrlichkeit ruhet, wie St. Petrus spricht, 1 Pet. 4, 14.

11. lOte Regel. Alle deine Feinde und Lästerer sollst du lernen mit Wohlthat und Gütigkeit überwinden und versöhnen. Denn mit Rach­gier, Zorn und Wiederschelten gewinnt man keinen Feind, aus Ursache: In der Lugend ist der Sieg, nicht in dem Laster. Zorn, Rachgier und Wiederschelten ist Sünde und Laster, und dadurch wird man nicht überwinden, sondern mit Tugend. Gleichwie kein Teufel den andern austreibt; so wird auch kein Laster das andere vertreiben, und keine Rachgier und Schelten deinen Lästerer überwinden, sondern immer ärger machen. Wenn Einer einen Menschen sähe, der voll Schwären wäre, und voll böser Blattern, und er wollte denselben mit Fäusten schlagen, würde er ihn auch heilen? Mit Nichten. Also ist ein böser giftiger Mensch voller Schwären; darum muß man ihn mit Gelindigkeit heilen. Sehet, was Gott der Herr selbst für eine Art hat, uns zu überwinden. Ueber- windet er nicht unsere Bosheit mit Gütigkeit, unfern Zorn mit Liebe? Locket uns nicht seine Gütigkeit zur Buße? Röm. 2, 4. Diesen Weg hat uns St. Paulus vorgeschrieben: Röm. 12, 21. Lasset euch nicht das Böse überwinden, sondern üderwindet das Böse mit Gutem. Das ist der Sieg.

12. 1 ltc Regel. Wenn du stehest, daß ein Anderer von Gott eine Gabe hat, die du nicht hast, so beneide ihn darum nicht, und mißgönne es ihm nicht, sondern freue dich deß, und danke Gott dafür. Denn die Gläubigen und Auserwählten sind ein Leib, und die Gabe und Zierde eines gläubigen Glieds gereichet dem ganzen Leib zu Ehren. Zm Ge- gentheil, wenn du eines Andern Elend stehest, so sollst du es für dein eigenes Elend halten, und darüber trauern, denn es ist ein allgemeiner

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