182 Schöne Regeln eines christlichen Lebens.

menschlicher Jammer, dem alles Fleisch unterworfen; und in welchem Menschen kein Mitleiden und keine Barmherzigkeit ist, der ist auch kein Glied des Leibes Christi. Hat nicht Christus unser Elend sür sein eigenes gehalten, und dadurch uns von unserm Elende erlöset? Darum St. Pau­lus spricht: Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen, Gal. 6, 2.

13. 12te Regel, von der Liebe und von dem Haß des Näch­sten sollst du diesen Unterschied merken: Daß du zwar diese Sünden und Laster in dem Menschen hassen sollst, als ein Werk des Teufels; aber den Menschen an sich selbst sollst du nicht hassen, sondern dich über ihn erbar­men, darum daß solche Laster in ihm wohnen, und Gott für ihn bitten, wie der Herr Christus am Rreuz für die Uebelthater gebeten hat,

Luc. 23, 34. Auch sollst du wissen, daß kein Mensch Gott wohl gefallen kann, der seinen Nächsten an ihm selbst hasset. Denn Gottes Wohl­gefallen ist, daß allen Menschen geholfen werde, 1 Tim. 2, 4. Wenn du nun eines Menschen Verderben suchest, das ist wider Gott, und wider Gottes Wohlgefallen; darum kann kein Mensch Gott wohl ge­fallen, der des andern Verderben sucht. Des Menschen Sohn ist nicht kommen, den Menschen zu verderben, sondern zu erhalten,

Luc. 9, 56.

14. 13te Regel. Ob du gleich wohl weißt, daß alle Menschen Sün­der seyn, und sehr gebrechlich; so sollst du dich doch für den allerschwäch­sten und gebrechlichsten Menschen, und für den größten Sünder halten. Denn 1. alle Menschen sind bey Gott in gleicher Verdammniß, und ist bey Gott kein Unterschied : wir haben alle gesündiget, und mangeln des Ruhms, den wir vor Gott haben sollen, Röm. 3, 23. 2. Ist dein Nächster gleich ein großer und schrecklicher Sünder, so gedenke nicht, daß du darum vor Gott besser bist, wer sich läßt dünken, er stehe, Ll mag wohl Zusehen, daß er nicht falle, 1 Cor. 10, 12. Wirst du dich «I aber unter alle Menschen erniedrigen und demüthigen, so wird dich Gottes « Gnade erhalten. 3. Du bedarfst ja sowohl Gnade und Barmherzigkeit, 81 als der größte Sünder. Und wo viel Demuth ist, da ist viel Gnade. Ul Darum St. Paulus sich für den größten, fürnehmsten Sünder gehalten :

Und darum ist mir, spricht er: 1 Tim. 1, 15. 16. Barmherzigkeit widerfahren, und der Herr hat große Geduld an mir erwiesen. Ich will mich am allerliebsten meiner Schwachheit rühmen, auf daß 1 j die Rraft Christi bey mir wohne, 2 Cor. 22, 9.

15. 14te Regel. Die wahre Erleuchtung bringt mit sich die

verschmahung der Welt. Denn gleichwie die Kinder dieser Welt ihr : Erbe auf Erden haben, zeitliche Ehre, vergänglichen Reichthum, irdische * P Herrlichkeit, welches sie für große Schätze halten; also sind der Kinder Gottes Schätze Armuth auf Erden, Verachtung, Verfolgung, Schmach, Kreuz, Tod, Marter und Pein; gleichwie Moses die Schmach Christi höher achtete, als die Schatze Egypti, Ebr. 11, 26. Das ist die rechte Erleuchtung. s

16. 15te Regel. Der rechte Name der Christen, so im Himmel ||