Diese Bewegung nennt man den Ausfall, wozu eine aus der vorgeschriebenen Stellung entstehende Ausdehnung des Körpers erfordert wird, bey welcher jedoch die stete Erhaltung des Gleichgewichtes unumgänglich nothwendig ist.
Der Ausfall findet bey jedem Stoße statt; der rechte Arm wird rasch ausgestreckt, wobei sich der linke gleich abwärts bewegt, daß linke Knie schnell angezogen, und imselben Augenblicke der rechte Fuß gehoben wird, welcher den Boden mit d.er Sohle leicht streifend, so viel Raum flüchtig durcheilt, als nothwendig ist, um jenen mit der Spitze Zu erreichen/ der mit der seinen, wenn man in der Distanz stehet, zwischen unserer und dem linken Fuße fich befindet.
Man muß jederzeit in gerader Richtung vorwärts, und niemals weder rechts noch links schief ausfallen, welches nicht nur den Ausfall verkürzen, sondern auch dem Körper in oder auswendig Blößen geben würde.
Der auf diese Art vorwärts bewegte Körper wird durch das rechte Unterbein erhalten, welches nicht wie in der Garde, mit dem Knöchel, sondern mit der Fußbiege vertical auf dem Boden stehet.
Die Bewegung des Ausfalles wird hauptsächlich durch die fich ausdehnenden Schenkelwinkeln erzeigt, welche fich durch vereintes Streben beyder Füße so weit von einander entfernen, als es die Größe des Fechters züläßt , der fich immer bemühen soll, so weit als möglich, jedoch nicht so auszufallen, daß es ihm schwer würde, fich wieder geschwind in die Garde zu stellen.
In dieser Lage stützen fich beyde Hüften des Leibes, welcher in völligen Gleichgewichte zwischen denselben senkrecht ruhet, auf die entsprechenden Schenkel, und diese auf ihre beyden Füße, wovon der linke niemahls den Boden verlassen, sondern stets mit ganzer Sohle, wie angeheftet liegen bleiben muß.
Das linke Knie ist, so wie der linke Arm ausgeftreckt, welcher längs dem linken Schenkel mit geöffneter Hand, der einen Schuh von demselben absteht, herablauft.
Die ganze rechte Seite des Körpers soll besonders lenksam in ihren Muskeln, und das Gewicht derselben auf beyden Schenkeln gleich vertheilt seyn; der Kopf bleibt gerade ungezwungen und mit Anstand, so wie in der Garde, vorwärts gerichtet. Beym Zurückgehen in die Garde muß man das linke Knie zuerst und sehr schnell in die vorige Lage biegen, dann hurtig den rechten Fuß ebenfalls ohne zu schleifen in seine gehabte Stellung setzen, welches umso geschwinder erzielt wird, als die Gliedmassen beyder Beine durch die oftmalige Übung dieser Bewegung immer lenksamer und geschmeidiger werden. Die rechte Faust erhalte man wohl vor fich, wodurch der Kopf durch ihre Opposition bedeckt sey, und der linke Arm, welcher zur Erhaltung des Gleichgewichtes dient, erhebt fich, wie er abwärts bewegt wurde, gleichförmig wieder in die vorige Lage, um den Körper zum schnellen Zurückge- hen behülflich zu seyn.
Nur durch lange und fleißige Übung kann man einen guten und regelmäßigen Ausfall bekommen, deßhalb soll sich der Anfänger auch außer den Lehrstunden viel und oft üben, indem er so geschwind als möglich auszufallen, und eben so in die Garde zurück zu gehen, fich bemüht.
Man nehme den Boden, auf welchem man fich befindet, wohl in Augenschein, und nur wenn derselbe günstig, muß man ganz, im Falle er aber schlüpfrig wäre, so kurz als möglich ausfallen, um weder den rechten noch den linken Fuß der Gefahr des Ausgleitens auszusetzen, welches sehr nachtheilig seyn könnte, da man hierdurch leicht das Gleichgewicht verlieren könnte, und gehindert würde, zu rechter Zeit in die Garde zurück zu gehen.
Von der Distanz.
Die Distanz ist das gehörige Maß der Entfernung zweyer Fechtenden, in welchem fic sich erreichen können, wenn beyde Degenspitzen oder Rapierknöpfe an das Stichblatt, oder Brille des Nappieres streifen.
Es ereignet fich jedoch sehr oft, daß man vom Feinde zu weit, oder aber ihm auch näher, als in der mittleren Distanz stehet, in welch letzterer man den Gegner durch einen natürlichen Ausfall erreichen wird. Die größere dieser Distanzen, woraus man, um den Feind z treffen, erst gegen ihn avanciren muß , heißt man die weite/ die nähere aber die geschloßene Distanz.
Man ist jedeömahl in der weiten Distanz, wenn man mit der Spitze, da beyde Fechter in Garde stehen, nicht an das Stichbtatt des Gegners, und in der geschloßencn, wenn die Spitze über dasselbe hinaus reicht.
Wir wollen weiterhin allgemein unter mesure die mittlere andeuten; man rückt in die mittlere oder geschloßene Distanz/ durch das avanciren, welches geschieht, um den Gegner gewißer zu erreichen, oder ihm zu folgen/ wenn er fich znrückziebet.

