Aus dem Kerker
eines politischen Gefangenen.
( 1847 .)
7
Oh Menschlichkeit! o edle Fürstengnad'!
Man flicht nun keinen Sünder mehr auf's Rad, Man schloß der Folter gräuelvolle Kammer Und spart dem Volk des Scheiterhaufens Jammer!
Oh Menschlichkeit! o selt'ne Fürstenhuld!
Man spricht sogar Verrather frei von Schuld,
Und straft den Gottesläugner und den Feigen Durch leichten Schwur aus Sanct La Trappe's
Schweigen.
O Menschlichkeit! o fürstlicher Entschluß!
Nie mangelt es dem Leib an Vollgenuß,
Und daß der Geist nicht ganz und gar verschmachte, Kant man ihm vor das zahm und halb Gedachte.
O Menschlichkeit! für echte Größe blind,
Zieht sie den Mann zum niemals münd'gen Kind, Und hütet ihn vor Licht und Luft und Warme, Und füllt statt Blut mit M i l ch ihm die Gedärme!
O Menschlichkeit! o segensreiche Wahl!
Zum Schutz vor allzuhellem Sonnenstrahl Hat man dem Geist die ew'ge Nacht gespendet,
Hat man sein lichtbegehrlich' Aug' geblendet!

