V.

Der Fels der Mutter.

Eor der Einfahrt in den Rio Temi zog ein an sich unbedeutender Gegenstand, der aber durch eine schaudervolle Begebenheit ein Denkmal des europäischen Fanatismus und blutdürstiger Grausamkeit geworden ist, die Aufmerksam­keit unserer gefühlvollen Reisenden auf sich. Es ist dieses ein am westlichen Ufer befindlicher Granithügel, er heißt der Fels der Guahiba-Jndianerin, oder auch der Fels der Mutter (Piedra de Madre). Wenn der Mensch in diesen Einöden kaum eine Spur seines Daseins zurücklaßt, so ist es für den Europäer doppelt beschämend, wenn ein Felsstück seine Verkehrtheit aufbewahrt und die Tugend der Wilden sammt der Barbarei des Gebildeten überliefert.

Die Ursache der Benennung ist folgende. Der Vor­fahr des gegenwärtigen Missionars von San Fernando hatte seine Indianer an das Gestade des Rio Guaviare, in der grausamen Absicht, die eben so der Religion, wie den Ge­setzen Spaniens entgegen war, geführt, um Seelen zu ero­bern. Sie kamen in eine Hütte der Guahiba-Jndianer und trafen daselbst eine Mutter dieses Stammes nebst drei Kin-