Pfarrer Obcrlin.

o§twa vier Meilen südwestlich von der ehemals elsaßi- schen Hauptstadt Straßburg liegt am Fuße der Bogesen die Stadt Barr, die lebhaften Handel treibt, deren Be­wohner sich mit Wollstickerei, Baumwollenspinnerei, Weberei und Gerberei beschäftigen und wo allein 800 Arbeiter mit dem sogenannten Türkischrothfärben sich beschäftigen. Das Städtchen zählt nur 5000 Einwohner und hat sich blos durch seine gewerbliche Rührigkeit gehoben. Die Umgebungen von Barr zeichnen sich durch ihre von dem Vogesenzuge gebildete romantische Lage vortheilhaft aus.

Gar nicht weit von Barr liegt das durch die sechszig- jährige segensreiche Wirksamkeit des edlen Pfarrers Oberlin so berühmt gewordene S t e i n t h a l, eine frühere Herr­schaft, die der Familie Raths am hausen gehörte und von ihr 1685 an den Pfalzgrafen von Veldenz verkauft wurde. In der Mitte des Thales lag ehemals ein festes Schloß auf einem Felsen, welches Stein genannt wurde und jedenfalls, als Sitz des alten Dynastengeschlechts, dem ganzen Thale den Namen gab.

Im Steinthale sah es vor hundert und einigen Jahren noch ganz wüst, wild und elend aus. Die Ländereien, die an 9000 Morgen umfaßten, waren nur zuin kleinsten Theile und noch dazu in der erbärmlichsten Weise bebaut. Der Boden bestand meist aus verwittertem Granit. Keinem Thalbewohncr fiel es ein, ihn vernünftig und ordentlich zu bearbeiten; Niemand wollte die Felsblöcke, die den Anbau störten, wegschaffen, Niemand wollte die gute Erde saunneln und vor dem Wegschwemmen durch Regengüsse sichern, oder dem Wasser einen geregelten Lauf geben, und daher kam