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DaS Gedächtniß ist also kein productives (schaffen« des), sondern ein reproductives (wiederschaffendes) Gei- stesvermögen. Bei dem Gedächtnisse ist es von großer Wichtigkeit, daß unsere Willkür ein Vermögen über die Imagination (Einbildung) hat, d. h., daß wir un­sere Imagination willkürlich bestimmen können, um Vor­stellungen der vergangenen Zeit wieder hervorzurnfen. Die Imagination läuft auf eine Menge von Vorstellun­gen hinaus, ohne daß der Mensch willkürlich folgt, und wenn sie bei einem Menschen unbezähmbar ist, so zeugt das von Hypochondrie oder Tollheit. Aber bei jedem Menschen läuft die Phantasie so fort; wir können ihr wohl bisweilen, unserer Absicht gemäß, eine neue Rich­tung geben, aber in dieser Richtung läuft sie dann so­gleich wieder fort. Insofern aber unsere Imagination in unserer Willkür steht, so daß wir sie aufbieten kön­nen, und Ideen aus dem vorigen Zustande klar vorzu- stellcn, ist dies Gedächtniß-

Das Gedächtniß muß sich demnach durch drei Kräfte besonders äußern: durch das Auffassen, das Behalten und das Erinnern. Das Auffassen ist diejenige Thätigkeit, vermittelst deren der Geist auf eine und un­bekannte Weise Geschehenes, Gefühltes, Gehörtes oder Gedachtes in sich aufnimmt, und zwar, wenn wir auf das Behalten Rücksicht nehmen, so aufnimmt, daß die dritte Thätigkeit, das Erinnern, später jene Ein­drücke mehr oder weniger klar und deutlich wieder er­neuern kann.

Das Gedächtniß erwacht schon in den ersten Mo­menten des Lebens. Das Kind erkennt die Brust der Mutter sogleich wieder, nachdem es nur einmal aus der­selben getrunken hat. Bald, oft schon in den ersten Tagen, unterscheidet eS die Personen, welche oft um das­selbe sind, von fremden, besonders die Mutter oder Amme von allen andern. Dann vielleicht schon in der zwei-