und cg waren ihrer über 200, gab mir ein Jeder ei­nen Vers, welche ich alle in der umgekehrten Ordnung wieder hersagte, indem ich von dem zuletzt empfange­nen Verse anfing und bis zu dem zuerst erhaltenen zurück'ging, und mein Gedächtniß war nicht nur schnell im Auffassen, sondern auch treu im Behalten."

Etwas bald fassen, sich leicht worauf besinnen und es lange behalten, das sind Eigenschaften oder viel­mehr Vollkommenheiten des Geistes, die sich nicht leicht beisammen finden. Weniger findet eS sich dagegen, daß ein schnelles Gedächtniß untreu, ein langsames treu ist, oder mit andern Worten, daß ein Gedächtniß bei einer oder mehreren Vollkommenheiten auch wieder ei­nen oder mehrere Fehler hat. So kann z. B. auch Jemand ein schnelles, starkes und leichtes Sachgedächt- niß haben, während er rin langsames, kleines und schweres Zahlengedächtniß hat; und überhaupt sind hier so unendliche Verschiedenheiten möglich, daß man dreist behaupten darf, daß es nicht zwei Menschen giebt, die ein völlig gleiches Gedächtniß haben. Kant sagt: das Gedächtniß unterscheidet sich darin: 3) daß wir Etwas schnell in das Gedächtniß fassen; daß wir es lange behalten; 3) daß wir uns sogleich desselben wie­der erinnern. Wer eins von diesen Talenten hat, der pflegt das andere nicht zu besitzen. Sanguinische fas­sen Etwas leicht, können es aber nicht lange behalten. Pflegmatische können schwer Etwas fassen, aber behal­ten es lange, und Einige, die etwas lange behalten können, müssen sich solange auf Etwas besinnen und den Vorrath ihrer Kenntnisse in der Imagination durch­streifen, bis sie sich dessen wieder erinnern.

Wo ist der Sitz des Gedächtnisses?

Naturkundige wollen bemerkt haben, daß der Sitz des Gedächtnisses im Hinterhaupte sei. Daher nimmt

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