der Menſchen. 15

es bey der Natur durch langes Suchen nicht geſchehen wuͤrde. Ja, ſo iſt es in der That: die Unterſuchung des Schonen in der Natur iſt viel beſchwerlicher und weit ausſehender, als diejenige Unterſuchung iſt, welche man bey den griechiſchen Statuen anſtellet.

Wer der Natur folgen will, der ſucht ent­weder von einem einzigen Gegenſtande das, was ihm Schoͤnes daran vorkommen moͤchte, oder er bemerkt aus verſchiedenen Gegenſtaͤn­den der Natur etwas Schoͤnes; die auf eine ſolche Art zuſammen geſammelte Schoͤnheiten ſetzt er zuſammen, und verfertigt alſo ein voll­kommen und allgemein Schönes, oder eine idealiſche und eingebildete Schoͤnheit daraus;

da hingegen das erſtere eine ahnliche Kopie,

oder ein Portrait zu nennen iſt.

So viel muß man geſtehen, daß die grie­chiſchen Meiſter dieſen naͤmlichen Weg gewaͤhlt und auch mehrentheils verfolgt haben, um nicht nur zu dem ſogenannten idealiſchen Schoͤnen zu gelangen, ſondern auch ihren Werken denjeni­gen Reiz dadurch zu geben, den ſie vor allen andern Kunſtſtuͤcken ſolcher Meiſter haben, die keine Griechen ſind. Aber, koͤnnte man mir hier vielleicht die Frage vorlegen: Was iſt wohl eigentlich die Urſache, daß nicht auch an­dere Kuͤnſtler von andern Nationen ſo vollkom­mene Schoͤnheiten verfertigen koͤnnen, wie es die Griechen zu thun im Stande waren? Die Antwort, welche dieſer Frage begegnet, iſt dieſe: Man hat die Urſache blos darinne zu

ſuchen,

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