11

Albin. Um Himmelswilleu, Herr Doctor, ich bitte Sie, lassen Sie schon ab!

Dr. Hern olph. Nur wenn Sie meinem Beispiel folgen und lmfcte prosaische Unterhaltung nicht durch poetische Windbeuteleien stören.

Albin. Ich unterwerfe mich dieser harten Bedingung.

Dr. Hernolph. So ist es gut! Ich habe Ihre menschenfeindliche Anschauung der Welt Naseweisheit genannt, Herr Günther, weil Sie noch zu jung sind, um viel widerwärtige Erfahrungen gemacht, oder sich sonst ein gründliches Urtheil gebildet haben zu können. Auf den ,,bellen Lichtmoment" des Dichters gebe ich sehr wenig; es ist das in seiner Art eine Charlataucric. Zinn zweiten Mal sehe ich mich heute veranlaßt, als Amvalt des philisterhaften Just** miiicu, d er geraden goldenen Mittelstraßc aufzutrcten. Die liebe Menschheit ist nicht so schlecht, als ein oberflächlicher Blick sie Ihnen zeigt, Sie wiederum sind nicht so vortrefflich, als es Ihnen der durch diese oberflächliche Beobachtung erzeugte Eigendünkel ciuredct.

Albin. Sie machen sich allenfalls die Sache sehr leicht, Herr Doctor; ich hätte einen passenden Vers dafür.

Dr. Hcrnolph. So fangen Sie nur wieder au, ich bin zu glei­chen Diensten bereit.

Albin. Nach Ihrer Ansicht könnten wir uns die Mühe auf das Studium der Menschen füglich ersparen, da die Menschen weder gut noch schlecht seien.

Df. H ernolph. Ich spreche blos im Allgemeinen, von der lie­ben Menschheit überhaupt; im Bcsouderu sind die Unterschiede von dem Bösen zu dem Guten, von den Lasterhaften zu den Tugendhaften groß, unendlich. Und wer der Gesellschaft dienen will, der muß sich darauf beschränken, ihr in dem Einzelnen zu dienen; wer ihr im gro­ßen Ganzen dienen will, verbraucht unnütz seine Kräfte. Den Schlech­ten zu bessern oder unschädlich zu machen, den Guten zu belohnen: das sei des Mannes Streben und Ziel! Auf diese Weise gebrauche ich seit Jahren meine Kräfte und Mittel, und will sie bis an mein Lebensende so gebrauchen. Sie sehen, Herr Günther, ich bin auch nicht ohne Fehler; mein Fehler heißt: Unbe­scheidenheit.

Albin. Nicht Renommisterei?

Dr. Hcrnolph. Wollen Sie sich davon überzeugen? So zeigen Sie mir das Schlechte in Ansehen, oder das Gute verborgen, ver­kannt, verfolgt, und ich will nicht eher von hier abreisen, bis ich Je­nem die Maske abgerissen und cs unschädlich gemacht, bis ich Dieses aas dem Versteck hervorgezogen und es belohnt. Giebt cs unter Ihren Bekannten eine Person, an der ich Ihnen eine Probe von meinem guten Wollest und meinen Fähigkeiten, meine Kräfte auf die angegc-