Drittes Ä u ch.
Von den Krankheiten selbst.
Nachdem nun über die Entstehung der Krankheiten und ihre Aeußerungen im Allgemeinen gesprochen worden ist, gelangen wir zu den Krankheiten selbst, um sie in ihren Einzelnhetten zu betrachten. Wir sehen in unserer täglichen Erfahrung, daß die meisten Krankheiten alle Menschen ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht befallen können, doch gibt es gewisse Krankheiten, die lediglich bei Männern, andere, die bloß bei Weibern, wieder» um andere, tue nur im kindlichen Alter vorzukommen pflegen. Dann bemerken wir auch innere und äußere Krankheiten, weil bald innere, bald äußere Ursachen ihr Entstehen bedingt ha» den und sie selbst in innern oder äußern Theilen haften, und un» ter beiderlei Arten sehen wir wiederum solche Falle, wo durch schnell und heftig wirkende Ursachen große und plötzliche Lebensgefahr herbeigesuhrt wird. Manche Krankheiten haben einen schnellen Verlauf, d. h. gehen in möglichst kurzer Zeit entweder in Genesung oder in den Ted, oder wohl auch in andere Krank» heiten über, man nennt sie deshalb auch hitzige (akute) Krank» heiten; dahin gehören z. B. EntzündungS-, Nerven-, Gallen-, Faulsieber rc. Wiederum andere dauern sehr lange, diese nennt man daher langwierige (chronische) Krankheiten, wie z. B. die Schwindsüchten, Wassersüchten k. Gewisse Krankheiten sind ansteckend (kontagiös), es bildet sich nämlich während der Krankheit im Körper ein Stoff, welcher, wenn er mit andern Körpern in Berührung tritt, diesen dieselbe Krankheit mittheilt; eine solche Eigenschaft haben z. B. die Blattern, Masern, die Faulfie- der, die Wasserscheu rc. Epidemische oder allgemein Herr» sehende Krankheiten sind dieienigen, welche auf einem bestimmten Flachenraum viele Menschen zu gleicher Zeit befallen und von einer allgemein wirkenden Ursache Herkommen; sie können zugleich auch ansteckend sein. Einheimische (end emische) Krankheiten nennt man diejenigen, welche in einer Gegend, vermöge gewisser Naturverhaltnisse, sich eingenistet haben, und da fortwährend anzutreffen sind, wie z. B. die Wechselsieber in sumpfigen Gegenden, Rheumatismen in feuchten tiesligenden Orten rc. Erbliche Krankheiten endlich heißen wir solche, welche von Eltern, die damit behaftet sind, durch die Zeugung auch auf Kinder und Kindeskinder fort- gepflanzt werden; so werden z. B. vorzugsweise das Podagra, die Hämorrhoidalkrankheit, die Schwindsucht rc. fortgecrbt.

