I. G e s a u g.
Gesang ist unstreitig eines der wirksamsten Mittel, die frohe Stimmung einer zahlreichen Gesellschaft zu steigern; diese Wahrheit beurkundet sich von den Völkern des Alterthums bis auf unsere Zeiten.
Uns Deutschen fehlt es weniger als irgend einer Nation an einem fast unerschöpflichen Schatze schöner Dichtungen aller Art, die in ihren wechselnden Melodien und mannigfaltigem Gepräge eben so geeignet sind, ernst - erhabene Empfindungen zu wecken, und in die Klagen sanfter Schwermuth zu stimmen, als auch die harmlose Fröhlichkeit guter Menschen zu beleben.
Unter wackern Freunden beym kreisenden Becher vergießt man sogar der Sorgen, des Kummers der Zeit; selbst der, auf dem die schwere Hand des Schicksals noch so hart lastet, fühlt sich durch die anziehende Kraft der Heiterkeit, wenigstens für wohlthätige Augenblicke, von seiner Bürde erleichtert und, durch die Theilnahme^ an dem Frohsinne der Übrigen, gestärkt für die leider unausbleiblichen Drangsale künftiger Tage.
Daß hier nicht von dem Übermaße jener rohen Freude die Rede sei), die sich im Rausche und im Abbrüllen verächtlicher Gassenhauer gefällt, versteht sich von selbst; einer solchen sind unsere geehrten Leser gewiß eben so wenig zu huldigen, als wir sie in Schutz zu nehmen, gesonnen.
Hier folgen einige Vorschläge zu gesellschaftlichem Gesängen, deren leichte ungekünstelte Melodien, jeder, von der, Natur nicht ganz stiefmütterlich bedachten Kehle unbedenkliche Theilnahme gestatten.

