und feine Gemahlin, infonderheit aber die ſchöne Mage­

18

kurzer Zeit vor deinen Augen in Unmuth und Schmerzen ſterben ſehen. Indem ſie ſo redete, fiel ſie ohnmächtig auf ihr Bette; als ſie wieder zu ſich kam, ſprach ſte: liebe Amme, du ſollt wiſſen, daß er eines großen Ge­ſchlechts und Stammes iſt, wie es ſeine Tugenden an­zeigen, und will er darum ſeinen Namen nicht anzeigen; wohl aber glaube ich, ſo du von meinetwegen ſeinen Namen und Stand zu wiſſen begehren würdeſt, er würde ihn dir nicht verhalten.

Als nun die Amme an der Kon gotochter die große Liebe ſah, ſo ſie zu dem jungen Ritter trug, tröſtete fie dieſelbe und ſprach: meine allerliebſte Tochter, die­weil es durchaus euer Begehren iſt, ſo will ich mich befleißigen, daß ich von euretwegen mit dem Ritter rede, und das, was ihr mir auftraget, erfahre. Seid nur getroſt und bekümmert euch nicht weiter.

Sechstes Kapitel. Wie die Amme mit dem Ritter in der Kirche redete.

Darnach, als der Morgen kam, ging die Amme in die Kirche, den Ritter zu ſuchen. Sie fand ihn allein beten und kniete auch nieder zum Gebet; ſobald das Gebet vollbracht war, grüßte ſte der Ritter, denn er kannte ſie wohl, da er fie, zuvor bei der ſchönen Magelone geſehen hatte. Nun fing die Amme an und ſprach: Herr Ritter, ich verwundere mich nicht wenig, daß ihr euren Stand und Namen ſo gar heimlich haltet; und doch weiß ich, daß mein gnaͤdiger Herr, der König

K