20

dieſen Ring will ich ihr von euretwegen überreichen und erzählen, was wir mit einander geredet. Alſo ſchieden Beide von einander.

Die Amme ging fröhlich von dem Ritter weg, die­weil fie mit ihm war zu reden kommen, und ſprach alſo zu ſich ſelbſt: es mag wohl ſo ſein, wie mir die ſchöne Magelone geſagt hat, daß der Ritter eines großen Geſchlechts iſt, denn er iſt aller Tugend, Zucht und Ehren voll. In dieſen Gedanken ging fie, bis fie zu der Königstochter kam, welche ihre Ankunft mit großen Freuden erwartete. Da zog ſte den Ring hervor und übergab ihn derſelben, indem ſie erzählte, was ſie mit einander geredet hatten. Als Magelone des Ritters Er­bieten vernahm und den köſtlichen Ring ſah, den er ihr überſchickte, ſprach ſie zu ihrer Amme; meine aller­liebſte Amme, habe ich dir nicht geſagt, er müſſe eines großen Geſchlechts ſein, denn mein Herz ſagte mir'g; auch magſt du wohl bedenken, ob ein ſolcher koſtbarer Ring eines Armen fein möge. Das wird mein Glück ſein und kann nicht anders werden, denn ich will und begehre ihn zu haben und ich liebe ihn; auch will ich keinen andern Gedanken in mein Herz kommen laſſen, denn allein ihn zu lieben und zu begehren. Von Ans beginn, als ich ihn zum erſten Mal geſehen, ergab ſich mein Herz ihm allein; auch erkenne ich, daß er mir zu Gefallen hieher kommen iſt. Dieweil er denn eines hohen Geſchlechts und der ſchönſte Ritter unter allen

in der Welt iſt, ſo wäre ich doch unartig und harten| Herzens, wenn ich ihn nicht wieder lieben ſollte, der wegen meiner hier iſt. Eher will ich vor Schmerzen ſterben, als daß ich ſeiner vergeſſe und ihn verlaſfe