Nun hielt der Kaiſer weiter Rath, was er mit ſeiner Gemahlin und den beiden Kindern anfangen ſollte. Er erzählte den verſammelten Räthen den ganzen Hergang der Sache, und erklärte ihnen, daß er geſonnen wäre, ſie mit den beiden Kindern verbrennen zu laſſen. Als er ſeine Rede endete, ſahen die Herren einander lange an; keiner wollte mit dem Sprechen den Anfang machen, da nahm der älteſte, der die fromme Kaiſerin beſſer kannte, als die übrigen alle, das Wort, und ſprach: „Mein Herr und Kaiſer, ihr begehret von uns, daß wir Eure Gemahlin verurtheilen, da doch die That noch nicht bezeugt iſt; ſo ſtellet die Kaiſerin auch noch zugegen, daß man ihre Verantwortung anhören ſollte: viele leicht, daß dieſe ganze Sache durch Verrätherei zugerichtet worden iſt. Darauf ſprach ein Anderer:„Erlauchter Herr, bedenket doch, daß Ihr Eurer Gemahlin einen heiligen Eid geſchworen, als Ihr derſelben zur Ehe bes gehret, Ihr wollet ihren Leib ſchirmen und bewahren, wie Euren eigenen. Nun, da die That nicht erwieſen iſt, kann man der frommen Kaiſerin keine Strafe zuſprechen. Sehet zu, daß Ihr nicht treulos werdet an Eurer Gemahlin, und vergeſſet Eures Eides nicht.“ Mit dieſer Meinung ſtimmten alle übrigen Räthe überein, nur die alte böſe Frau lag dem Kaiſer an Einem fort an, er ſollte die unſchuldige Gemahlin mit ihren Kindern verbrennen. Die ſaß weinend und ſeufzend in ihrem Kerker; unter Thränen küßte ſie ihre Kleinen und ſprach: „Ach! meine lieben Kinder, was haben wir uns an Gott verſchuldet, daß wir ſo unſchuldig ſterben ſollen?“ Solche Klage führte ſie Tag und Nacht.
Als drei Tage vorüber waren, verſammelte der
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