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Opfern und Leiden von 1812! Aber nicht bloß in den Krieg zogfreu- dig, wer ein Schwert tragen, oder ein Roß tummeln konnte, auch Hab und Gut opferte jedermann willig der großen Sache. Alles: baares Geld, Getreide, Waarenvorräthe, Vieh, Gold und Silber, Capitalien, Besoldungen und Pensionen, die Sparpfennige für das Al­ter, Alles gab man hin, selbst die goldenen Trauringe wurden mit eiser­nen vertauscht, und das Haar, welches jene schlesische Jungfrau ab­schneiden ließ, um den Erlös dafür auf den Altar des Vaterlandes zu legen, wird ein Denkmal rührender Opferfreudigkeit bleiben. Und wie im Leiblichen, so im Geistigen, die Poesie erhob sich wie die Wissen­schaft, um dem heiligen Kriege seine Waffen zu schmieden. Wie früher Fichte, Schleiermacher, Schiller und Andere in Rede und Dichtung das Nationalgefühl geweckt hatten, so begeisterten jetzt die gluthvollen Lieder Körners, der der Tyrtäus dieses Krieges geworden ist, Schen- kendorfs heilige Vaterlandsliebe äthmenden Gesänge, Rückerts gehar­nischte Sonnette und Arndts ungestüme Verse die Streiter. Das ganze Gefühl jener Zeit ist zusammengefaßt in den Worten Körners:

Der Himmel hilft, die Hölle muß uns weichen,

Drauf, tapfres Volk, draus ruft die Freiheit, drauf!

Hoch schlägt dein Herz, hoch wachsen deine Eichen,

Was kümmern dich die Hügel deiner Leichen,

Hoch pflanze da die Freiheitsfahne auf!

Zugleich wandten sich die Herzen von dem Irdischen weg dem Ewigen zu. Eine ernste, innige Religiosität wurde zur allgemeinen Stim­mung. Jede freiwillige Schaar zog, ehe sie zu ihrem Sammelplatz aus­rückte, geleitet von Freunden und Verwandten, in das Gotteshaus und ließ sich dort weihen zu dem Kampfe für das Vaterland. Beson­ders ergreifend war diese Feier in Berlin, wo Schleiermacher in begei­sterter Rede die jungen Soldaten einsegnete, die Eltern glücklich prei­send, daß sie solche Söhne gezeugt, und in Breslau, wo der König selbst der Mittelpunkt war. Hier wurde am 16. und 17.^ März in Gegenwart der Monarchen von Rußland und Preußen im Freien Gottesdienst ge­halten, nachher erfolgte die Musterung der Truppen und die Verlesung des königlichen Aufrufs an das Kriegsheer. Dann löste sich der große Kreis in vier kleinere Kreise auf; der Kaiser, der König, alle Prinzen