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Gott der Herr hatte einen andern Plan. In Auguſtins Seele entzündete ſich immer heftiger ein Zorn gegen ſich ſelbſt.Den Himmel offen ſehen, und nicht hinein kön­nen! Nicht hinein können, weil einem die Welt und das Fleiſch lieber iſt als die Gnade! Immer wollen und nie zum Vollbringen kommen! Immer die Buße hinausſchieben auf morgen und wieder auf morgen! Ein wahrer Grimm gegen ſich ſelbſt brannte hin und wieder in ſeinem Herzen. In dieſem zerriſſenen Zuſtande fand er einen Wegweiſer vor dem Thore von Mailand. Dort in einem Kloſter wohnte ein alter Presbyter Simplicianus, welcher den Ruf der un­geheucheltſten Frömmigkeit genoß und auch vom Biſchofe hoch geehrt wurde. Zu ihm ging er, ihm ſchüttete er fein ganz zes Herz aus. Als Vorbild für ſein eigenes Leben erzählte der Presbyter dem Auguſtin die Geſchichte des Rhetors Victori­nus zu Rom. Dieſer war ein hochgeehrter Mann in der Stadt und Lehrer der angeſehenſten Senatoren geweſen. Seine Bildſäule ſtand ihm zu Ehren auf dem Markte, Aber ſeine mächtigen Freunde waren allzumal Heiden, und er war es mit ihnen. Daneben war er auch befreundet mit Simplicianus, welcher damals in Rom lebte. Durch deſſen Beiſpiel und Zuſprache ermuntert, fühlte er einen Zug zur heiligen Schrift. Er las und las immer wieder. Endlich erklärte er dem Simplicianus offen heraus, er ſei auch ein Chriſt. Dieſer antwortete:Das kann ich nicht glauben, und werde dich nicht eher für einen Chriſten halten, bis ich dich in der Kirche geſehen habe. Mit Spott entgegnete ihm jener:Alſo machen die Wände den Chriſten aus!? In ähnlicher Weiſe wiederholte ſich das Geſpräch mehrere Male. Victorinus ſcheute ſich vor feinen Gönnern, Freunden und dem Volke. Aber fort und fort las er weiter. Da fiel ihm das Wort auf's Herz, wie er einſt von Chriſto vor den Engeln Gottes werde verleugnet werden, wenn er hier in ſeiner Verleugnung fortfahre. Das überwältigte ihn. Laß uns zur Kirche gehen, ich will ein Chriſte werden, ſprach er eines Tages zu Simblicianus. Dieſer konnte kaum feine Freude faſſen. Victorinus geſellte ſich zu den Ka­techumenen, welche Unterricht empfingen. Rom ſtaunte,