24
denn es iſt dein! Brich du die Wuth der brandenden Fluth! Stille! ſtille! denn mein Kind muß wiederkommen!“
II. Das Jünglingsalter, oder: Ein Kind ſo vieler Gebete kann nicht verloren gehen.
Mitten in jenem Sündentrubel des Auguſtin ſtarb ſein Vater Patricius. Du wunderbarer Gott, wie gehſt du doch deine eigenen Wege! Wir hatten nach unſerer Art gerechnet:„Der Vater iſt nun ein Chriſt geworden, er hat lange ſeine Vaterpflicht an den Kindern nicht recht verſtanden, nun iſt er ſelbſt ein Kind Gottes, er wird der Mutter zu Hülfe kommen, und die Söhne dir zuziehen helfen.“ Aber du rechneſt anders. Wie ein kluger Land⸗— wirth in gewittervollen Tagen ſchnell feine Ernte eins führt, wenn ein heller Nachmittag die Näſſe herausgetrocknet hat, ſo führſt du den Mann nach der heiligen Taufe ſchnell heim. Was du machſt, iſt wohlgethan. Auch an dem Sohne wirſt du dich nicht unbezeugt laſſen! — Dem Auguſtin ging der Tod des Vaters nicht ſo zu Herzen, wie man hätte glauben ſollen. Hatte ſich doch Patricius um ſeinetwillen in den letzten Jahren viele Entbehrungen aufgelegt. Mit der weitern Bildung des Sohnes blieb nun die Mutter völlig in dem Plane ihres heimgegangenen Mannes. Sie ſah es als ihre Pflicht an, des Vaters Willen auch nach ſeinem Tode auszuführen. Sie hoffte, auf ſolcher demüthigen Ordnung werde zuerſt Gottes Segen ruhen. Die Zinſen von ihrem eingebrachten Gute, über welches ſie nun völlig Herr war, ſollten zu den weiteren Studien verwandt wer=| den. Sie ſelbſt wollte ſich knapp durchhelfen, der Sohn ſollte nach Carthago. Doch ſandte ihr Gott in dem ſauern Unternehmen einen Helfer. In Tagaſte lebte Romanianus, ein ſehr reicher Verwandter der Familie. Er war ein redlicher Heide, großartig in feinen Gedanken, feſt und ohne Menſchenfurcht, gewaltig in der Rede, freigebig und ſo glücklich, daß Niemand mit ihm von der Seligkeit des ewigen Lebens zu reden wagte. Eine Reihe von ſtädtiſchen Aemtern hatte er mit Auszeichnung vers|

