Leben andrer Menschen. Meine ganze Seele ist in Einen brennenden Gedanken aufgelöst. Befühl meine Hand! ja Du fährst erstaunt zurück; aber was ist die leibliche Fiebergluth gegen die innere?"

Hier wurde seine Stimme so leise, daß ich ihn nicht mehr verstand. Die Frau schien bemüht, ihn zu trösten; zuletzt sagte sie:

Aberder arme Tyrrell Ihr wollt ihn doch sicher nicht den Hungertod sterben lassen?"

Der Mann schwieg einige Zeit, dann erwiederte er:Tag und Nacht bete ich zu Gott, mit gebeugten Km'een, ein ungeändertes, un- abläßiges Gebet, und das ist: wenn der letzte Todeskampf diesen Men­schen erfaßt; wenn er krank von Ermüdung, Sorge, Kummerund Hunger sich zum Sterben niederlegt, wenn das Tvdesröcheln seine Brust beengt und vor seinem brechenden Auge die letzten Gestalten verschwimmen; wenn die Erinnerung das Sterbezimmer mit den Ge­stalten der Hölle bevölkert, und seine Feigheit ihren angstvollen Wider­ruf zum Himmel stammelt: dann möchte ich zugegen seyn!"

Nun entstand ein langes Schweigen, allein unterbrochen durch die Seufzer der Frau, welche sie unterdrücken zu wollen schien. End­lich stand der Mann auf, und mit einer so sanften Stimme, daß sie im buchstäblichen Sinne wie Musik klang, sprach er zu ihr in den zärtlich­sten Ausdrücken. Sie schien bald auf ihre Neberzeugung zu verzichten und antwortete ihm mit Wärme:

Trotz der Stacheln meines Gewissens," sagte sie,will ich, so lang ich Dich nicht verliere, Leben, Ehre, Hoffnung, und selbst meine Seele verloren geben!"

Als sie dieß gesagt, verließen beide den Ort.

O! die Liebe des Weibes! wie stark in ihrer Schwäche!, wie schön in ihrer Schuld!