Mit ſechszehn Sommern ein Apoll, wie ihn Ein Phidias nicht ſchöner ſich gedacht. 6 Es hafteten die Augen Aller, Männer
Und Weiber, wenn er durch die Straßen ging, ö Auf ſeiner edlen göttlichen Geſtalt, 8 Als wär’ er vom Olymp herabgeſtiegen, 2 Damit die Erdenſöhne Göttliches
Aus nächſter Rähe ſäh'n, bewunderten.
Allein die Götter mögen nicht das Glück
Der Menſchen: ſie beſchloſſen ſein Verderben—
Und heut, nach kaum zehn weitern Sommern, in
Der Blüthezeit des Alters und der Kraft,
Iſt er in eine Scheuchgeſtalt verwandelt,
Womit man kleine Kinder ſchrecken kann.
Der ſchlimme Bakchos hat's ihm angethan,
Der Gott der Freude und des Weins hat ihn
Berückt, daß er ſich ſeinem Dienſt hingab.
Mit Einem Becher fing er an, nicht lange,
Und nichts vermocht' ihn mehr zu ſättigen.
Die böſe Wirkung traf zuerſt den Leib:
Die hohe, majeſtätiſche Geſtalt
Verlor den Haft, der Rücken krümmte ſich,
Wie unter ſchwerer Bürde, mehr und mehr;
Die Füße mochten nicht den Körper tragen,
Die Augen nicht in ihren Höhlen bleiben.
Die Knochen des Geſichts verzehrten wie
In unſtillbarem Hunger deſſen Fleiſch,
Sie wuchſen raſch auf ſeine Koſten an.
Des Leibs Verderben zögert' nicht der Geiſt
Zu folgen: Fieberhitze zaubert' ihm Unreine Thiergeſtalten vor die Seele—

